2. Etappe: Indonesien – Lombok (Tag 58 – 60)

Lomboks Mitte und sein Norden

Als Singah die bösen Geister besiegte

Über AirBnB finden wir unseren nächsten Gastgeber: Putu lebt mit seiner Familie in einem kleinen Örtchen namens Batulayar nördlich von Mataram. Warmherzig werden bei ihm zu Hause aufgenommen, wir fühlen uns sofort in die Famlie integriert 🙂 Abends nimmt uns Putu mit zu einem hinduistischen Fest hier in Batulayar. Dafür werden wir mit traditionellen Sarongs, Scherpen und Kopfbedeckung ausgestattet, als Sahnehäubchen steckt uns Sri, Putus Frau, zum Schluss noch eine Lotusblüte ins Haar.

Hübsch gemacht für die Zeremonie

Bei dem Fest sind wir bis auf zwei andere „Weiße“ wieder die einzigen Touristen. Putu ist Mitglied im „Gamalan-Orchester“, einer traditionellen Musik in Indonesien. Wir haben quasi VIP-Plätze mit Aussicht auf die Zeremonie, die nun beginnt. Unterschiedliche Darstellerfiguren betreten die Bühne, sie mimen bestimmte Gestiken, singen, tanzen oder animieren das Publikum dazu, es ihnen gleichzutun. Im falschen Moment schiebt Harry mich nach vorne und plötzlich stehe ich mitten auf der Bühne, wo ich unter lautem Gejohle der Indonesier mittanzen muss.

Gamalan-Musik zwischen Tradition und Moderne

Die traditionellen Kostüme sind fein gearbeitet, sehr farbenfroh und mit viel Liebe zum Detail ausgestaltet. Auch die Tänze begeistern mich erneut, mit graziler Leichtigkeit biegen Frauen und Männer ihre Körper und insbesondere ihre Finger in die unterschiedlichsten Richtungen. Das hier hat wirklich etwas magisches. Die Einheimischen allen Alters pflegen hier gemeinsam ihre Tradition – und wir haben das irrsinnige Glück, ein Teil dessen zu werden.

Die Tänzerin in ihrem Element
Einer der bösen Geister
Der Löwe Singah besiegt die bösen Geister
Fotogene Indonesier 🙂
Die Segnung am Ende der Zeremonie

Den nächsten Morgen starten wir mit einer Yoga-Session gemeinsam mit Putu und seiner Familie. Anschliessend schnappen wir uns einen Roller und fahren zu den Rinjani-Wasserfällen. Die Fahrt dauert fast zweieinhalb Stunden, lohnt sich aber. Beim ersten Wasserfall prasselt so viel Wasser herunter, dass ich mich aus Angst, durch die Wassermassen das Gleichgewicht zu verlieren gar nicht traue komplett darunter zu stehen. Doch auch direkt neben dem Wasserfall bekomme ich so viel Sprühnebel ab, dass ich am Schluss klatschnass bin. Das Wasser ist kalt, und nach 3 Wochen Hitze erlebe ich hier ein völlig ungewohntes Körpergefühl: Ich friere.

Harry unter den Wassermassen

Als wir zum zweiten Wasserfall laufen stehen wir irgendwann direkt vor einem Fluss. Wir hatten zwar davon gehört, dass der Weg irgendwann endet und mitten durch den Fluss läuft – nur wo geht es auf der anderen Seite weiter? Unauffällig schließen wir uns der nächsten Touristengruppe an, bei der ein Guide vorne rausläuft. So finden wir ihn doch, den zweiten Wasserfall. Ein Tropenbild wie aus dem Bilderbuch bietet sich uns: Umgeben von Lianen, Palmen und anderen Urwaldpflanzen prasselt der Wasserfall – besser gesagt, die Wasserfälle – in einen kleinen „Pool“, in dem wir baden gehen. Wir sind in einer solchen Dschungelbuch-Idylle, dass mein Blick ständig nach oben wandert, weil ich förmlich darauf warte Mogli über mir in den Lianen hängen zu sehen!

Dschungelbuch – Träume

2. Etappe: Indonesien – Bali (Tag 37 bis 40)

Ankunft in Kuta

Zwischen Tourismus und Schildkröten 

Wir verabschieden uns mit dem schwäbischen Nationalgericht „Kässpätzle“ aus Deutschland und fliegen nach Bali. Als wir den Flughafen verlassen wollen fühlen wir uns wie beim American Football: Taxifahrer stürmen aus allen Richtungen auf uns zu und reden auf uns ein, dass wir bei ihnen mitfahren sollen. Tapfer kämpfen wir uns durch, einer schafft es dann doch uns abzupassen und wir lassen uns breitschlagen. Kurzes Preisverhandeln, dann sitzen wir im Taxi.

Die erste Unterkunft hatte ich von zu Hause aus über Airbnb gebucht, damit wir nicht totmüde vom langen Flug nach einer Unterkunft suchen müssen. Die Wahl fiel auf Kuta, eine Stadt direkt am Meer, nur 5 Kilometer vom Flughafen entfernt. Unser Homestay „Denayu“ liegt am Ende einer Sackgasse und ist daher nachts herrlich ruhig. Schlafen können wir dank Jetlag trotzdem nicht wirklich.

Tempel in unserem Homestay

Zum Frühstück gehen wir in ein Warung essen. Warungs sind kleine und günstige landestypische Restaurants, in denen auch Locals essen. Als ich die Köchin um „etwas ohne Fleisch“ bitte, sieht sie mich fragend an. 5 Minuten später erhalten Harry und ich jeweils einen Teller mit gebratenem Reis, in welchem 5 Gemüsestückchen stecken. Das Ganze ist dann doch nicht so trocken wie es aussieht, und für insgesamt 15.000 Rupiah (rund 95 Cent) unschlagbar günstig.

Wir laufen Richtung Strand auf immer voller werdenden Straßen, vorbei an einem Restaurant, das Krebse aus Plastikflaschen anbietet, vorbei an Läden und Verkäufern, die Ihre Waren anpreisen. Stinkende Abgase hängen in der Luft. Kurz vor dem Strand überqueren wir eine Straße in der Hoffnung, von hupenden Autos und Mopeds nicht überfahren zu werden. Klappt zum Glück, und so stehen wir kurz darauf an einem ziemlich lebhaften Strand. Ich bin verwirrt, habe ich doch gelesen dass die Hauptsaison in Indonesien von Juni bis August andauert und jetzt Ende September längst vorüber sein sollte? Kaum machen wir ein paar Schritte am Strand entlang möchte man uns etwas verkaufen. Armbänder, Sonnenbrillen, Maniküre, Massagen, Bier, Handtücher und noch mehr Armbänder. Und noch mehr. Ohne den ganzen Trubel wäre es hier recht schön: Hohe Wellen brechen an den Strand, dementsprechend viele Surfer tummeln sich im Wasser. Die Sonne brennt erbarmungslos auf den baumlosen Strand. Auf der Suche nach Schatten kommen wir an einer Schildkröten-Auffangstation vorbei. Deren Mitarbeiter sammeln nachts Schildkröteneier vom Strand, damit diese nicht von all den Touristen zertrampelt werden. Wir sind Zuschauer einer skurrilen Szene, einer Art „Umweltschutz-Propaganda. „Saaave our nature! Saaave our planet! Saaave the babyturtles!“, brüllt der Leiter der Schildkröten-Organisation in sein Megafon. Eine euphorische Menge jubelt ihm zu. Kurz darauf entsteht eine Karawane, als jeder Tourist eine Plastikschale mit einer Babyschildkröte erhält und damit Richtung Meer läuft. Gemeinsam lässt die Prozession die Schildkröten am Strand frei und die Kleinen wuseln ins Meer.

Abends im Restaurant bestelle ich ein vegetarisches Gericht. Kurz danach steht eine Suppe vor mir mit Gemüse und – Hühnchen. Ich frage nach, ob das Hühnchen nur aus Versehen darin ist? Der Kellner sieht mich verwirrt an – das ist doch vegetarisch? Meine Erkenntnis: In manchen Ländern gilt Hühnchen noch als vegetarisch. Dass das auch im Touristenviertel auf Bali passiert hätte ich trotzdem nicht gedacht. Am nächsten Tag quetschen wir uns in ein Bemo, ein Touristen-Minibus und fahren für einen überteuerten Preis nach Ubud. Hauptsache weg aus der Touristen-Metropole!