2. Etappe: Indonesien – Sulawesi (Tag 67 bis 77)

Die UnterwasserWELT

Ein kleines Stückchen Paradies

Es ist nicht so, dass mir bisher langweilig gewesen wäre. Es ist auch nicht so, dass mich die Strandbars gestört oder mir die leckeren Drinks darin nicht geschmeckt hätten. Aber irgendwie hatte das Gefühl, mal Abstand genau davon zu brauchen und Orte zu sehen, die touristisch noch nicht so erschlossen sind. Und so sitzen wir heute im Flugzeug nach Manado, Sulawesi. Unsere Unterkunft hier ist das Homestay „Rumah Singgah Manado“ und ist mit umgerechnet ca. 6,50 Euro pro Nacht (nicht pro Person!) inklusive Frühstück die günstigste Unterkunft, die wir jemals hatten. Viel interessanter aber: Unsere Gastgeberin Sella betreibt mit ihrem Mann eine Non-Profit-Organisation, die sich in Umweltschutz-Themen engagiert. Unter anderem engagieren sie sich für Umweltbildung, sie etablieren Recycling-Infrastrukturen in Dörfern und kümmern sich um die Wiederaufforstung eines Mangroven-Waldes.  Wer weiterlesen will: https://www.manengkel.net

Mit einem Mikrolet, einem der Minibusse hier in Manado, fahren wir zum Hafen. Die Soundanlage hier ist wohl das, was in dieser Klapperkiste noch am besten funktioniert 🙂 Am Hafen nehmen wir ein Public Boat zu der Insel Bunaken, angeblich ist hier ein Paradies für Taucher. Nach und nach wird unser Boot voll geladen mit Wassergallonen, Bananen, Farbeimern und Tofu, mit Plastikstühlen und auch mit ein paar Touristen. 

Mikrolet Bus in Manado

Unser vollbeladenes Boot auf der Fahrt nach Bunaken

Die Bunaken sind kein unentdecktes Paradies mehr – aber sie sind ein Paradies. Unsere Unterkunft „The Tandjoeng“ ist direkt am Strand und beim Abendessen sehen wir aufs Meer hinaus und hören die Wellen rauschen. Irgendwo spielt einer Gitarre, jemand singt dazu. Dann wieder Meeresrauschen.

[Keine Bildunterschrift nötig. Spricht für sich.]

Der nächste Morgen beginnt früh, mit 4 anderen Touristen sitzen wir im Boot um Delfine zu sehen. Ich mache mir vorsorglich nicht zu viele Hoffnungen, wer weiss ob wir überhaupt welche sehen werden. Meine Befürchtungen sind unbegründet: Wir sehen gleich mehrere Schulen (Gruppen von Delfinen) und einige die ganz neugierig sind schwimmen sogar neben dem Boot her! Ich dachte eigentlich, Delfine seien einfach nur die Lieblingstiere von kleinen Mädchen im Grundschulalter. In Wahrheit sind sie wunderschöne, starke und faszinierende Lebewesen – nur leider zu schnell für unsere Kamera 🙂

Unsere frühmorgendliche Tour hält nicht nur Delfine, sondern auch noch zwei Schnorchelspots bereit. Bei einer Sichtweite von mindestens 25 Metern sehen wir wahnsinnig viele Fische und auch Schildkröten, die in einer Seelenruhe durchs Wasser gleiten. Jedes Mal, wenn ich denke „jetzt hab ich aber alle Arten der Fische hier gesehen!“ schwimmt einer an mir vorbei, den ich bisher noch nicht gesehen hatte, ganz so als wollte er mir sagen „Ätsch, nee hast du nicht!“ Ich bin – mal wieder – die Letzte auf dem Boot. Das Schnorcheln hat uns überzeugt: Die Insel ist wirklich ein Paradies für Taucher und so lassen wir uns von der allgemeinen Euphorie hier anstecken – wir machen den Tauschschein. In den folgenden Tagen sehen wir unter anderem den wunderschönen und hochgiftigen Feuerfisch, Clownfische, Seesterne und Schildkröten, Seeschlangen und riesige Fischschwärme, Meeresschnecken mit bunten Tupfen und Kreaturen, die sich gar nicht so recht beschreiben lassen. Der Begriff „Unterwasserweltist also mehr als angebracht!

Blick vom Boot ins Wasser auf die Korallen

#CouldStayHereForever 😉

2. Etappe: Indonesien – Lombok (Tag 61 bis 66)

Lomboks Süden

Vom Kitesurfen ohne Wind, dem Kätzchen und ach, lest selbst…

Diverse Websites und Reiseführer berichten von Kuta Lombok (nicht zu verwechseln mit Kuta Bali), der Schönheit der Strände hier und den vielen Nightlife-Optionen. Der Großteil der Lombok-Touristen steuert also den Süden an, so wie wir jetzt auch – nicht (nur) wegen dem Nachtleben sondern in erster Linie deshalb, weil wir im Vorjahr einen Kitesurf-Kurs gemacht haben und Harry seine Fähigkeiten weiter ausbauen will. In diversen Blogs hatten wir gelesen, dass man hier in Kuta Lombok gut Kitesurfen kann. Kann man auch. Was uns die Blogs allerdings verschwiegen haben: Am besten ist der Wind in der Saison von Juni bis August. Jetzt ist es Mitte Oktober, und der Wind ist quasi nicht vorhanden.

Wir bleiben trotzdem erstmal hier, könnte ja doch noch was werden mit dem Wind. Wir quartieren uns im Homestay „Ketapang“ ein, und wundern uns zum einen, wie eine Unterkunft so nahe am Strand so günstig sein kann und zum anderen, wieso man hier das Geld im Voraus möchte? Abends sind wir klüger: Die Bässe der Strandbars sind so laut, dass wir in unserem Zimmer das Gefühl haben, direkt neben der Soundanlage zu stehen. Ohrstöpsel koennten in den nächsten Tagen meine zwei neuen besten Freunde werden. Wir entscheiden uns daher für Plan B: Anstatt uns darüber aufzuregen wie laut es in unserem Zimmer ist stürzen wir uns ins Nachtleben!

Wir tanzen im Sand bis in die frühen Morgenstunden

Vor unserem Homestay finde ich ein kleines Kätzchen. Mein Herz geht auf, ich könnte das Kleine sofort adoptieren. Die nächsten Stunden steht Harry an zweiter Stelle 😉

Eine Katzenspielzeug-Improvisation: Schnur und Klopapier 😉
Müde vom spielen schläft „mein“ Kätzchen auf meinem Bauch ein ♡

Wieder ist keine Spur Wind spürbar. Wir leihen uns einen Roller und fahren zum benachbarten Strand Tanjung Aan, der uns als besonders schön empfohen wird. Der Strand ist so hell und fein, dass er aussieht wie aus Puderzucker, im Hintergrund erheben sich zerklüftete Felsen aus dem Meer. Von Weitem wirkt es wie das Paradies, von Nahem ist es ein Trauerspiel: Ich habe selten so viel Plastik auf einmal gesehen. Bei jedem Schritt knirscht eine Plastikflasche unter meinen Fuessen, bei jedem Schwimmzug im Meer schiebe ich bunte Plastikverpackungen zur Seite. Irgendwann packt mich die Wut. Ich fische nach einer grossen Plastiktüte und fange mit Harry zusammen an Müll zu sammeln. Ein ganz ähnliches Gefühl muss Don Quijote im Kampf gegen seine Windmühlen erlebt haben. Unsere Plastiktüte ist am Ende brechend voll, und trotzdem sieht der Strand kein bisschen besser aus. Fühle ich mich besser, weil ich wenigstens einen kleinen Beitrag hier geleistet habe? Irgendwie nicht. Immerhin: Der Eisverkäufer hier ist begeistert von unserer Aktion und verspricht, morgen eine Mülltuete an seinem Eiswagen zu befestigen. Aktuell landet nämlich sämtlicher Müll seiner Eistüten am Strand.

Nur auf den ersten Blick schön – der Strand Tanjung Aan

Auch nach Tagen ist kein Wind zum Kiten vorhanden, deshalb gehen wir wellenreiten. Der Strand „Pantai Selong Belanak“ ist perfekt für uns als Anfänger, allerdings ist auch hier wahnsinnig viel Müll am Strand und im Meer. 

Als ich mir diesen Beitrag nochmal durchlese stelle ich fest, dass er insgesamt etwas negativ wirkt. Soll er eigentlich gar nicht, denn (abgesehen von dem Plastikmüll) ist es hier sehr schön! Die Reggae-Partys hier sind toll, und das Kätzchen, hach das Kätzchen war einfach nur zuckersüß ♡

Kiten für eine Stunde, als ein kleines bisschen Wind weht
Wasserbüffel in Lomboks grünen Bergen

2. Etappe: Indonesien – Lombok (Tag 58 – 60)

Lomboks Mitte und sein Norden

Als Singah die bösen Geister besiegte

Über AirBnB finden wir unseren nächsten Gastgeber: Putu lebt mit seiner Familie in einem kleinen Örtchen namens Batulayar nördlich von Mataram. Warmherzig werden bei ihm zu Hause aufgenommen, wir fühlen uns sofort in die Famlie integriert 🙂 Abends nimmt uns Putu mit zu einem hinduistischen Fest hier in Batulayar. Dafür werden wir mit traditionellen Sarongs, Scherpen und Kopfbedeckung ausgestattet, als Sahnehäubchen steckt uns Sri, Putus Frau, zum Schluss noch eine Lotusblüte ins Haar.

Hübsch gemacht für die Zeremonie

Bei dem Fest sind wir bis auf zwei andere „Weiße“ wieder die einzigen Touristen. Putu ist Mitglied im „Gamalan-Orchester“, einer traditionellen Musik in Indonesien. Wir haben quasi VIP-Plätze mit Aussicht auf die Zeremonie, die nun beginnt. Unterschiedliche Darstellerfiguren betreten die Bühne, sie mimen bestimmte Gestiken, singen, tanzen oder animieren das Publikum dazu, es ihnen gleichzutun. Im falschen Moment schiebt Harry mich nach vorne und plötzlich stehe ich mitten auf der Bühne, wo ich unter lautem Gejohle der Indonesier mittanzen muss.

Gamalan-Musik zwischen Tradition und Moderne

Die traditionellen Kostüme sind fein gearbeitet, sehr farbenfroh und mit viel Liebe zum Detail ausgestaltet. Auch die Tänze begeistern mich erneut, mit graziler Leichtigkeit biegen Frauen und Männer ihre Körper und insbesondere ihre Finger in die unterschiedlichsten Richtungen. Das hier hat wirklich etwas magisches. Die Einheimischen allen Alters pflegen hier gemeinsam ihre Tradition – und wir haben das irrsinnige Glück, ein Teil dessen zu werden.

Die Tänzerin in ihrem Element
Einer der bösen Geister
Der Löwe Singah besiegt die bösen Geister
Fotogene Indonesier 🙂
Die Segnung am Ende der Zeremonie

Den nächsten Morgen starten wir mit einer Yoga-Session gemeinsam mit Putu und seiner Familie. Anschliessend schnappen wir uns einen Roller und fahren zu den Rinjani-Wasserfällen. Die Fahrt dauert fast zweieinhalb Stunden, lohnt sich aber. Beim ersten Wasserfall prasselt so viel Wasser herunter, dass ich mich aus Angst, durch die Wassermassen das Gleichgewicht zu verlieren gar nicht traue komplett darunter zu stehen. Doch auch direkt neben dem Wasserfall bekomme ich so viel Sprühnebel ab, dass ich am Schluss klatschnass bin. Das Wasser ist kalt, und nach 3 Wochen Hitze erlebe ich hier ein völlig ungewohntes Körpergefühl: Ich friere.

Harry unter den Wassermassen

Als wir zum zweiten Wasserfall laufen stehen wir irgendwann direkt vor einem Fluss. Wir hatten zwar davon gehört, dass der Weg irgendwann endet und mitten durch den Fluss läuft – nur wo geht es auf der anderen Seite weiter? Unauffällig schließen wir uns der nächsten Touristengruppe an, bei der ein Guide vorne rausläuft. So finden wir ihn doch, den zweiten Wasserfall. Ein Tropenbild wie aus dem Bilderbuch bietet sich uns: Umgeben von Lianen, Palmen und anderen Urwaldpflanzen prasselt der Wasserfall – besser gesagt, die Wasserfälle – in einen kleinen „Pool“, in dem wir baden gehen. Wir sind in einer solchen Dschungelbuch-Idylle, dass mein Blick ständig nach oben wandert, weil ich förmlich darauf warte Mogli über mir in den Lianen hängen zu sehen!

Dschungelbuch – Träume

2. Etappe: Indonesien – Lombok (Tag 57)

Hello Mister!

Begegnungen in Mataram 

Von Gili Air fahren wir weiter nach Lombok. Zur Hälfte ist es ein Pflichtbesuch, denn hier in der Hauptstadt Mataram müssen wir unser Visum verlängern. Der erste von drei Besuchen im Einwanderungsbüro „Imigrasi“ geht schnell, zum Mittagessen gehen wir in eine kleine Straßenküche. Die Köchin hier spricht kein Englisch, ein vorbeikommender Polizist hilft aus. Ich bin perplex, er spricht sogar ein bisschen Deutsch. Nach dem Essen stehen plötzlich noch Freunde unserer Köchin neben uns und bitten uns um Fotos. Wir sind überrascht, aber natürlich tun wir den Einheimischen diesen Gefallen. Wir werden herzlich umarmt und bekommen Komplimente für unsere Schönheit. Ich fühle mich etwas veräppelt, denn schließlich kann ich dank schwitzigen 30 Grad und verwuschelten Haaren sicherlich kein Hingucker sein?

Anscheinend sind Harry und ich es doch: Ein wenig später probieren wir an einem Crêpe-Stand einen etwas ungewöhnlichen aber leckeren Schoko-Banane-Käse Crêpe. Am Stand steht eine Gruppe junger Teenie-Mädels. Irgendwann fragt eine aus der Gruppe schüchtern, ob sie ein Foto mit uns machen können? Klar können sie. Unter viel Gekicher werden Handys gezückt und Selfies mit uns gemacht. Auch wenn wir in den drei Wochen hier in Indonesien viel Farbe abbekommen haben kommt unser Hautton natürlich noch lange nicht an den der Indonesier heran. Zudem überrage ich mit meinen 1,76m sämtliche Frauen um mindestens einen Kopf, die Männer sind maximal so groß wie ich. Von Harry mit seinen 1,89m ganz zu schweigen! Vermutlich qualifiziert uns aber allein unsere Hautfarbe zu Supermodels. Personen auf Werbeplakaten haben ausschließlich eine weiße Hautfarbe. Im Gegensatz zu Deutschland und westlichen Ländern gilt helle Haut hier als Schönheitsideal, im Supermarkt kauft man in Südostasien Whitening-Cremes statt Selbstbräuner.

Als wir am Abend durch Matarams Straßen schlendern wird uns von Mofas und sogar von der anderen Straßenseite aus ein „Hello Mister!“ entgegen gerufen. Ständig werden wir angesprochen und gefragt wie wir heißen, woher wir kommen und wohin wir gehen. Auf unsere Antwort hin „zum Supermarkt“ beschreiben uns die Einheimischen den Weg, den wir gehen müssen, obwohl wir diesen bereits kennen und obwohl wir gar nicht danach gefragt hatten.

Ich bin gerührt über so viel Herzlichkeit und Offenheit der Indonesier gegenüber uns. Es ist schon paradox: Ein Land, dass aufgrund von Kolonialismus und Kriegen der „weißen“ Bevölkerung eigentlich mit Verachtung gegenüberstehen müsste empfängt uns mit offenen Armen. So schäme ich mich fast für Deutschland, wo „Andersfarbige“ bei Weitem nicht mit so viel Freundlichkeit behandelt werden (und die AfD 12,6% der Wählerstimmen erhielt).

Bei all der Freundlichkeit der Indonesier uns gegenüber fragen Harry und ich uns, ob die Indonesier wohl untereinander auch so nett zu einander sind? Wir „Weißen“ sind „die Anderen“ und werden auch so behandelt, auch wenn dies in unserem Fall positiv ausfällt. Diese Privilegien haben einen bitteren Beigeschmack…

2. Etappe: Indonesien – Nusa Lembogan (Tag 47 bis 51)

Tänze und schnorcheln auf der Insel

Wesen aus anderen Welten

Regen begleitet uns, als wir mit unserem Fastboat von Sanur nach Lembogan fahren. Auf Nusa Lembogan sind wir erstmal auf der Suche nach einer Unterkunft. Wir laufen quer über die Insel, durch Hinterhöfe und einen Bungalow-Park, bis wir endlich etwas in unserer Preisklasse finden. Abends sind wir auf einem Fest an der Yellow-Bridge, es wirkt wie ein Jahrmarkt.

Yellow Bridge bei Tageslicht

Ein kitschiges Kinderkarusell dreht sich stockend am Eingang, es riecht nach gebratenen Würstchen und in einer Ecke stehen Männer um einen Glücksspiel-Würfeltisch. Abgesehen von zwei anderen „Weißen“ sind wir die einzigen Touristen.
Wir ziehen uns unsere Sarongs über und betreten den Tempel. Aus den Lautsprechern dröhnt laute Gamalan-Musik, auf der Bühne führen Kinder traditionelle Tänze auf. Fasziniert setze ich mich an den Rand. Im Halbdunkel sehe ich den Kindern zu, die in verschiedenen Gruppen nacheinander ihr Können zeigen. Die Bewegungen der Hände und Finger sind unglaublich filigran!

Tänze der Kinder im Tempel

Die Einheimischen sehen mit weniger Aufmerksamkeit zu. Keiner der Anwesenden aus dem Publikum klatscht Beifall, als sich die Tanzgruppen auf der Bühne abwechseln. Die Kinder tun mir Leid, auch deshalb, weil sie von ihrer Lehrerin streng zurechtgewiesen werden, wenn sie mal am falschen Fleck stehen oder gar „aus der Reihe tanzen“.
Nach den Tänzen der Kinder treten Schauspieler auf die Bühne. In prächtiger Kostümierung wird ein Stück aufgeführt, von dem wir leider kein Wort verstehen. Schade, denn das Stück muss unglaublich lustig sein, die Frau neben mir fällt vor Lachen sogar vom Stuhl 🙂


Irgendwann kommen wir müde im Homestay an. Riesige Fledermäuse flattern um die Gartenlampe ♡

Der Abend danach: Wir landen wieder auf dem Jahrmarkt. Heute ist es jedoch bedeutend voller als gestern. Auch heute führen die Kinder wieder ihre Tänze auf, diesmal allerdings mit Kostümierung und aufwendigem Make-up. Gestern war wohl nur die Generalprobe.

Am nächsten Morgen wollten wir eigentlich bereits weiter auf die Gili-Inseln. Allerdings ist das Boot hierfür schon komplett ausgebucht. Sogar auch für den Tag darauf! Wir nutzen die „Zwangspause“ von zwei zusätzlichen Tagen und gehen schnorcheln. Das Boot bringt uns zum Manta-Point. Den Begriff „Manta“ kannte ich davor nur im Zusammenhang mit einer Automarke. Warum alle so einen Wirbel um dieses Tier machen konnte ich bis dato nicht nachvollziehen – bis ich den ersten Manta sehe. Schwerelos und majestätisch gleitet der riesige Rochen durchs Wasser, er wirkt wie aus einer anderen Welt. Während des Schnorchelns sehen wir hier viele, einmal sogar 4 Mantas übereinander im Wasser. Ich komme als Letzte wieder auf dem Boot an.

Aussicht auf Lembogan

Wir besuchen die Devil’s Tear, unser letzter Spot in Lembogan, bevor wir weiterreisen. Riesige Wellen klatschen an die schroffen und ausgehöhlten Felsen, langsam fließt das Wasser wieder von den Klippen zurück ins Meer.

2. Etappe: Indonesien – Gili Air (Tag 52 bis 56)

Das Inselparadies

Wo Nichtstun groß geschrieben wird

Gili Air ist eine von drei winzigen Inseln im Norden von Lombok. Die Tage hier gleiten dahin… Eines Abends lernen wir zwei Mädels kennen, die schon seit zwei Wochen hier sind und es irgendwie nicht weg geschafft haben. Kann ich mir gut vorstellen. Die Insel ist schon was besonderes, denn

1. Es gibt keine Motorfahrzeuge.
Nur Fußgänger, Pferdekutschen und E-Scooter. Für die Ohren der Himmel auf Erden, wenn man vom Verkehrs-Chaos des Festlands her kommt. Allerdings sind wir nie mit den Kutschen gefahren. Die Tiere sahen doch etwas mitgenommen aus, ich habe in der ganzen Zeit nicht erlebt, dass ein Pferd in der Hitze mal Wasser bekommen hätte…

Pferdekutschen auf Gili Air

2. Es ist ein Schnorchelparadies.
Fischschwärme, die die Boote umrunden (weil sie von dort gefüttert werden), Korallen, Seeigel, manchmal auch Schildkröten (eher auf Gili Meno als auf Gili Air), kleine bunte Fische (Nemo) und das Beste: Wir brauchen nur vom Strand ins Wasser zu springen und müssen keine Bootstour buchen!

Fische beim Schnorcheln auf Gili Air
Und am Abend auf dem Teller

3. Eine geplante Auszeit lässt sich hier wunderbar durchziehen.
Schon oft hatte ich mir vorgenommen, nichts zu tun – und habe dann doch wieder irgendwas gemacht, oft nicht mal was sinnvolles. Die Gefahr besteht auf Gili Air nicht. Es gibt unzählige Strandbars, Cafés und Restaurants mit Sitzsäcken im Strand, in denen ich aufs Meer hinaus blicken kann. Nicht immer funktioniert das W-Lan einwandfrei, und so bleibt mehr Zeit für anderes: Ein Kaffee unter dem Sonnenschirm, nette Gespräche, Nichtstun, noch ein Kaffee, ein Abendspaziergang um die Insel im Sand, Poispielen. Und Nichtstun.

2. Etappe: Indonesien – Bali (Tag 43 bis 46)

Ubud – Teil 2 und Uluwatu-Tempel

Mofa-Fahrten in Indonesien – Leben am Limit 😉

Wir besichtigen unseren ersten „großen“ Tempel in Indonesien, den „Elephant Cave“. Als wir mit unserem Roller dort ankommen tappen wir direkt in die erstbeste Touristenfalle: Die Frauen an den Verkaufsständen rufen uns zu, dass wir einen Sarong, ein großes Tuch, das um die Hüfte gebunden wird benötigen, um in den Tempel zu gehen. Stimmt, das hatte ich mal gelesen, natürlich haben weder Harry noch ich ein Hüfttuch dabei. Wir kaufen also zwei Sarongs, denn dieser Dresscode gilt tatsächlich auch für Männer! Kurz darauf stellen wir fest, dass man Sarongs auch kostenlos beim Tempeleingang leihen kann. Der Tempel selbst ist von außen sehr schön, von innen allerdings gar nicht so eindrucksvoll, wie ich ihn mir ausgemalt habe, es ist stickig und noch heißer als draußen. Der Dschungelwald um den Tempel herum gefällt mir besonders gut. 

Im Garten des Elephant Cave
Eingang zum Elephant Cave Tempel

Tags darauf fahren wir nach unserer Yoga-Session zum Tegenungan-Wasserfall. Was zunächst auch wieder touristisch wirkt ist auf den zweiten Blick sehr entspannt. Neben dem eigentlichen Wasserfall gibt es noch einen zweiten, unter dem man auch eine kleine Erfrischung genießt.

Beim Poispielen kommen wir in Kontakt mit den Indonesiern und wir geben den aufgeschlossenen Einheimischen einen sehr lustigen Poi – und Hula-Hoop Unterricht 🙂

Als wir nach Hause fahren bricht ein Regenguss über uns herein, vielmehr fühlt es sich so an, als stünden wir direkt unter einem Wasserfall. Wir flüchten mit unserem Moped unter den nächstbesten Unterstand, denn bei diesem Regen mit dem Zweirad auf der Straße unterwegs zu sein ist alles andere als ungefährlich. Innerhalb von Minuten reicht uns das Wasser bis an die Waden. Nach einer knappen halben Stunde ist das Schlimmste allerdings schon wieder vorbei.
Es ist 2 Uhr nachts und wir sind schon wieder auf den Beinen. Der Grund dafür ist eine Sunrise-Treakking-Tour zum Mount Batur, einem aktiven Vulkan im Norden Balis. Als wir im Shuttle mit den anderen Touristen sitzen fragen wir uns ernsthaft, warum wir uns nochmal hierfür entschieden haben… Das Frühstück das wir bekommen besteht aus einem kleinen Stück grünem Kuchen, wir hatten zum Glück noch eine Notfall-Verpflegung eingepackt. Als wir am Berg ankommen ist der Parkplatz übersät mit Touristenbussen. Kein Wunder, denn der Mount Agung, der andere Vulkan auf Bali auf dem normalerweise auch Touren stattfinden ist derzeit ungewöhnlich aktiv. Der Mount Batur ist der am meisten bewanderte Berg, den ich je gesehen habe. Eine Taschenlampen-Karavane läuft den Weg hinauf, von unten wirken die Taschenlampen-Lichter der Touristen wie eine Milchstraße am Nachthimmel. Der Aufstieg ist sehr anstrengend, denn der Weg ist steil und sehr uneben, an einigen Stellen müssen wir klettern. Trotz der Müdigkeit und der Anstrengung macht die Tour unglaublich viel Spaß. Als wir oben ankommen – kurz vor dem Sonnenaufgang – weht uns ein kühler Wind um die Nase. Leider ist es leider etwas bewölkt, sodass der Sonnenaufgang zunächst nicht ganz so beeindruckend wirkt. Als sich die Wolken jedoch für eine kurze Zeit verziehen hören wir von allen Seiten ein „Aaah“, ein Laut, den man sonst nur bei dem schönsten Silvesterfeuerwerk hört. Am Himmel erstreckt sich ein herrliches Farbenspiel während die orangefarbene Sonne mehr und mehr an Kraft gewinnt. Erst jetzt stelle ich fest, dass ich das erste Mal bewusst einem Sonnenaufgang zuschaue. Im Vergleich zum Sonnenuntergang hat dieser eine ganz eigene, besondere Magie. 

Sonnenaufgang auf dem Mount Batur
Affen am Krater
Wichtel, Harry und ich

Geschafft!
Wir nehmen Abschied von unserer liebgewonnenen Gastfamilie in Ubud und fahren nach Sanur, einem Ort an der Küste, von dem aus wir nach Nusa Lembogan weiterreisen möchten. Unser Guesthouse-Besitzer hier humpelt wegen eines Mopedunfalls mit Krücken durch den Garten. Kein Wunder – als wir abends selbst mit einem Moped unterwegs sind werden wir von allen Seiten und trotz Gegenverkehr überholt. Tempolimit und rote Ampeln? Nicht der Beachtung wert. Vorfahrt hat der, der schneller ist. Wir kommen trotzdem heil an unserem Ziel, dem Uluwatu-Tempel an und genießen die herrliche Aussicht im Sonnenuntergang. Die schroffen Felsenklippen im abendlichen Zwielicht sorgen für ein ganz besonderes Flair hier!

2. Etappe: Indonesien – Bali (Tag 40 bis 42)

Ubud – Teil 1

Von Affen und Yoga-Hype

Auf den ersten Blick ist Ubud ähnlich touristisch wie in Kuta. Ein Verkäufer verfolgt uns sogar auf seinem Moped und will uns unbedingt seine Unterkunft andrehen. Wir retten uns in eine Seitenstraße, in der plötzlich Ruhe herrscht und wir erkennen, dass wir keine zweites Kuta sondern eine Stadt mit Flair um uns haben. Unsere neue Unterkunft heißt „Birmamuka“. Als wir ankommen wirft sich der Hausherr schnell einen roten Anzug mit goldenen Knöpfen über und ich fühle mich, als stünde ich einem Hotelportier vor 100 Jahren gegenüber. Wir verhandeln den Preis für eine Übernachtung mit Frühstück für zwei Personen  von 200.000 auf 160.000 Rupiah, was in etwa 10 Euro entspricht und beziehen unser Quartier.

Am selben Tag laufen wir am Monkey Forest vorbei, Ubuds berühmten Affenpark. Weil wir kurz vor dem Ende der Öffnungszeit dort ankommen laufen wir nicht mittendurch, sondern nur daran vorbei. Die Affen lassen sich von den Zäunen jedoch nicht aufhalten, sie springen fröhlich zu den umliegenden Verkaufsständen und klauen deren Waren. Als wir eine kurze Pause einlegen habe ich plötzlich einen neuen Freund gefunden.

Danach gehen wir ins Restaurant Bali Bohemia und wollen eigentlich nur einen Kaffee trinken. Weil an diesem Abend die Band „Barefoot Warrior“ auftritt bestellen wir uns noch einen Nachtisch. Dann einen Drink. Und noch einen. Letztendlich sind wir 4 Stunden hier, weil wir uns der Musik und der urgemütlichen Atmosphäre hier einfach nicht entziehen können.

Ein neuer Tag: Auf unserem Balkon essen wir unseren ersten Banana-Pancake. Warum ich das erwähne – bitte nach „Banana-Pancake Trek“ googeln 🙂 Wir wollen zu den Reisterassen fahren, also mieten wir uns zwei Fahrräder und radeln los. Fahrräder beschreibt diese Gerätschaften vielleicht nicht ganz, es sind eher rostige Drahtgestelle ohne Licht und mit schwachen Bremsen. Jeder der an uns vorbei fährt scheint sich zu fragen, warum um alles in der Welt wir keinen Scooter fahren.

Wir nehmen die ruhige Parallelstraße neben der Hauptstaße Raya Petulu zum Aussichtspunkt „Chicken Terrace“. Unterwegs sehen wir Menschen, die mit viel Handarbeit Reis anbauen und ernten und andere, die Häuser nahezu komplett in Handarbeit errichten.

Reisbauer

Wir entdecken einen Platz, auf dem einmal ein großes Festival stattgefunden haben muss. Der Platz ist nahezu verlassen, ich fühle mich wie in einer Endzeit-Szenerie. Auf der Bühne finde ich zerbrochene Theater-Requisiten. Keiner von den wenigen anwesenden Leuten spricht Englisch.

Überreste eines Festivals

Die Straßengräben liegen voll mit Müll. Wir treffen auf Staßenhunde und grenzenlos überladene Mofas, auf gesprächige Indonesier und auf Wayan, eine Frau die sich als Heilerin ausgibt und aus Harrys Hand liest, dass er eigentlich keine Knie- sondern Verdauungs- und Nackenprobleme hat 🙂 Seit dem Film „Eat, Pray, Love“ scheint die „Healing-Branche“ in Ubud zu boomen, die Straßen links und rechts hängen voll mit Werbeschildern für Meditation und Massagen. Wir essen bei Wayan in seinem neu eröffneten Restaurant „Padis Gadis“ zu Mittag.

Schon wieder der Name Wayan? Wir fragen nach, was es damit auf sich hat: In Indonesien heißt immer jeweils der Erstgeborene Wayan.

Voher
Nachher

Kurz danach stehen wir am Aussichtspunkt zu den Reisfeldern wo schon auf uns gewartet wird, damit man uns Armbänder verkaufen kann.

Reisterassen in Ubud

Zurück in Ubud beginnen wir zu verstehen, warum man in asiatischen Ländern oft mit Mundschutz auf den Straßen unterwegs ist. Bei der Suche nach einem Yoga-Kurs beginnt mein Magen aufgrund der Abgase zu rebellieren. Tags darauf führt daher mein erster Weg in einen Supermarkt, in dem ich mir auch einen Mundschutz zulege.
Die nächsten zwei Tage genießen wir Ubuds Spezialitäten: Yoga und gutes Essen. Ubud präsentiert sich als „Care for your Body-Zentrum“, als Vegetarier komme ich voll auf meine Kosten. Ich könnte sogar Veganer oder Rohköstler sein und hätte trotzdem eine große Auswahl. Wir lassen uns vom Yoga-Hype anstecken und machen unsere ersten zwei Yogastunden, morgens um 9 traditionell, nachmittags Acro-Yoga im Yoga Barn. Von einer tollen Lehrerin lernen wir in einer entspannten Gruppe die Basics und machen schnell Fortschritte: Während meine Partnerin auf dem Boden kniet mache ich einen Kopfstand zwischen ihren Beinen. Nach eineinhalb Stunden sind wir ausgepowert, aber glücklich!

Unser Yoga-Studio
Schalen zur Dankbarkeit, die täglich von den Balinesen aufgestellt werden

2. Etappe: Indonesien – Bali (Tag 37 bis 40)

Ankunft in Kuta

Zwischen Tourismus und Schildkröten 

Wir verabschieden uns mit dem schwäbischen Nationalgericht „Kässpätzle“ aus Deutschland und fliegen nach Bali. Als wir den Flughafen verlassen wollen fühlen wir uns wie beim American Football: Taxifahrer stürmen aus allen Richtungen auf uns zu und reden auf uns ein, dass wir bei ihnen mitfahren sollen. Tapfer kämpfen wir uns durch, einer schafft es dann doch uns abzupassen und wir lassen uns breitschlagen. Kurzes Preisverhandeln, dann sitzen wir im Taxi.

Die erste Unterkunft hatte ich von zu Hause aus über Airbnb gebucht, damit wir nicht totmüde vom langen Flug nach einer Unterkunft suchen müssen. Die Wahl fiel auf Kuta, eine Stadt direkt am Meer, nur 5 Kilometer vom Flughafen entfernt. Unser Homestay „Denayu“ liegt am Ende einer Sackgasse und ist daher nachts herrlich ruhig. Schlafen können wir dank Jetlag trotzdem nicht wirklich.

Tempel in unserem Homestay

Zum Frühstück gehen wir in ein Warung essen. Warungs sind kleine und günstige landestypische Restaurants, in denen auch Locals essen. Als ich die Köchin um „etwas ohne Fleisch“ bitte, sieht sie mich fragend an. 5 Minuten später erhalten Harry und ich jeweils einen Teller mit gebratenem Reis, in welchem 5 Gemüsestückchen stecken. Das Ganze ist dann doch nicht so trocken wie es aussieht, und für insgesamt 15.000 Rupiah (rund 95 Cent) unschlagbar günstig.

Wir laufen Richtung Strand auf immer voller werdenden Straßen, vorbei an einem Restaurant, das Krebse aus Plastikflaschen anbietet, vorbei an Läden und Verkäufern, die Ihre Waren anpreisen. Stinkende Abgase hängen in der Luft. Kurz vor dem Strand überqueren wir eine Straße in der Hoffnung, von hupenden Autos und Mopeds nicht überfahren zu werden. Klappt zum Glück, und so stehen wir kurz darauf an einem ziemlich lebhaften Strand. Ich bin verwirrt, habe ich doch gelesen dass die Hauptsaison in Indonesien von Juni bis August andauert und jetzt Ende September längst vorüber sein sollte? Kaum machen wir ein paar Schritte am Strand entlang möchte man uns etwas verkaufen. Armbänder, Sonnenbrillen, Maniküre, Massagen, Bier, Handtücher und noch mehr Armbänder. Und noch mehr. Ohne den ganzen Trubel wäre es hier recht schön: Hohe Wellen brechen an den Strand, dementsprechend viele Surfer tummeln sich im Wasser. Die Sonne brennt erbarmungslos auf den baumlosen Strand. Auf der Suche nach Schatten kommen wir an einer Schildkröten-Auffangstation vorbei. Deren Mitarbeiter sammeln nachts Schildkröteneier vom Strand, damit diese nicht von all den Touristen zertrampelt werden. Wir sind Zuschauer einer skurrilen Szene, einer Art „Umweltschutz-Propaganda. „Saaave our nature! Saaave our planet! Saaave the babyturtles!“, brüllt der Leiter der Schildkröten-Organisation in sein Megafon. Eine euphorische Menge jubelt ihm zu. Kurz darauf entsteht eine Karawane, als jeder Tourist eine Plastikschale mit einer Babyschildkröte erhält und damit Richtung Meer läuft. Gemeinsam lässt die Prozession die Schildkröten am Strand frei und die Kleinen wuseln ins Meer.

Abends im Restaurant bestelle ich ein vegetarisches Gericht. Kurz danach steht eine Suppe vor mir mit Gemüse und – Hühnchen. Ich frage nach, ob das Hühnchen nur aus Versehen darin ist? Der Kellner sieht mich verwirrt an – das ist doch vegetarisch? Meine Erkenntnis: In manchen Ländern gilt Hühnchen noch als vegetarisch. Dass das auch im Touristenviertel auf Bali passiert hätte ich trotzdem nicht gedacht. Am nächsten Tag quetschen wir uns in ein Bemo, ein Touristen-Minibus und fahren für einen überteuerten Preis nach Ubud. Hauptsache weg aus der Touristen-Metropole!

1. Etappe: Norwegen – weiter südlich (Tag 23 bis 28)

Bjørneparken und Rückreise durch Schweden

Elch statt Fisch

— Bilder folgen! —

Seit 22 Tagen sind wir nun schon unterwegs – noch 6 Tage die uns verbleiben bis wir spätestens wieder zu Hause sein wollen. Und ich habe noch immer keinen Elch gesehen, DAS Symbol Skandinaviens! Um das Risiko, dass ich in freier Natur keins der mächtigen Tiere zu sehen bekommte zu umgehen, gehen wir in den Bären-Tierpark „Bjørneparken“. Die Vorstellung, mich zwischen quengelnden und quietschenden Kindern zu den Elchen vorzukämpfen ist weniger einladend, hinzu kommt, dass wir 30 Euro pro Person dafür ausgeben, dass ich einen Elch sehen kann.
Tatsächlich sind gerade mal eine winzige Handvoll Besucher an diesem Wochentag (und außerhalb der Ferienzeit) im Park unterwegs. Bei der Fütterung im künftigen Winterquartier der Bären stehen wir fast hautnah bei den riesigen Tieren. Eine lange Zunge schlabbert durch die dicken Gitterstäbe nach den Erdbeeren der Zoo-Mitarbeiter, dicke Tatzen patschen gegen das Gatter. Wer bitte kam auf den Gedanken, ausgerechnet diese massigen Tiere als Kuscheltiere zu verniedlichen? Ich würde mich jedenfalls nicht zum Schmusen neben einen Bär stellen…

Wir schlendern mit den anderen 15 Besuchern von einem Programmpunkt zum nächsten. Hautnah erleben kann man hier nicht nur Bären, auch bei der Fütterung der Füchse sind wir mittendrin. Keckernd und grazil springen die schlanken Tiere von Baumstumpf zu Baumstumpf. Gemeinsam mit den anderen Besuchern öffnen wir unsere Hände mit dem Hundefutter-Stück darin. Flauschige Fuchsnasen schnuppern für einen Sekundenbruchteil über unsere Hand und schnappen das Futter heraus, dann sind sie auch schon wieder weg.
Achja, und Elche haben wir natürlich auch noch gesehen… 🙂

Wir fahren langsam Richtung Heimat. Nach einem kleinem Zwischenfall (unser Wohnmobil bleibt beim geplanten Frühstück auf der Wiese im Schlamm stecken und wir müssen uns von einem netten Landwirt auf seinem Traktor rausziehen lassen) kommen wir in Göteborg an. Abends gehen wir hier im „Thali“ indisch essen. Hier gibt’s nicht nur leckeres Essen sondern auch Tischdecken, die man bemalen kann und Operetten-Musik auf der Toilette 😉

Am nächsten Tag machen wir eine Wanderung, die irgendwie mal wieder länger dauert als erwartet. Unterwegs treffen wir eine Frau mit einem Korb voll Pfifferlingen beim Pilze sammeln, die uns, nachdem wir sie ausführlich zu den Eigenschaften eines Pfifferlings befragt hatten, ein „Vergleichsexemplar“ mitgibt. Es sollte der einzige Pfifferling an diesem Tag bleiben. Während der Wanderung sehen wir wahnsinnig viele Pilze, vielleicht aber auch nur deshalb, weil wir die ganze Zeit auf den Boden starren. Fliegenpilze, gelbe, violette, rosafarbene Pilze – aber eben keinen einzigen Pfifferling…

Tags darauf schlendern wir durch Malmö. Auf einem Platz ist ein Zelt aufgebaut, darüber ein Schild mit dem Titel „Oktoberfest“, davor zwei Männer mit grauen Zipfelhüten umringt von einer Schar quietschender Teenie-Mädels im Dirndl. Aus dem Zelt dröhnt eine deutsche Schlager-Melodie mit schwedischen Gesang. Sofort schlagen wir eine andere Richtung ein… Abgesehen von diesem skurrilen Fleck ist Malmö eine sehr schöne Stadt! Im Park essen wir eine Kanelbulle, eine Zimtschnecke nach schwedischem Rezept. Neben uns sitzten Frauen beim Junggesellinen Abschied mit Blumen im Haar und wir genießen die Sonne. Was für eine Idylle!

Tag 28: Wir kommen zu Hause an und stimmen uns gleich wieder auf die nächste Reise ein…