1. Etappe: Norwegen – Going North (Tag 4 und 5)

Maihaugen und Peer-Gynt-Weg

Was haben ein Freilichtmuseum und eine Hochgebirgsstraße gemeinsam?

Bevor ihr lange überlegt gebe ich lieber gleich die Auflösung: Nichts. Abgesehen davon, dass beides in Norwegen liegt.

Nach dem Holmenkollen geht es Richtung Norden. Folgende Ausgangssituation: Zwei Personen im Wohnmobil unterwegs, einer Fahrer und der andere Beifahrer (soweit logisch). Der Job des Fahrers ist recht entspannt: Er muss lediglich die Straße etwas beobachten und ab und an das Gaspedal oder auch die Bremse betätigen. Der Job des Beifahrers hat es allerdings in sich, denn der professionelle Beifahrer ist ein Multi-Talent: Er versorgt den Fahrer mit kulinarisch vielfältiger Kost und diversen Getränken, er ist Navigator, DJ, zuständig für das Temperatur-Wohlbefinden der Insassen und nicht zuletzt: Routenplaner. Das Handling von drei verschiedenen Reiseführern stellt für ihn auch auf kurvigen und holprigen Straßen kein Problem dar.

So kommt es, dass wir aufgrund eines vielversprechenden Reiseführer-Eintrags spontan zum Freilandmuseum „Maihaugen“ in Lillehammer fahren. Wie der Vigeland-Park ist auch das Freilandmuseum sehr weitläufig angelegt – Weitläufigkeit ist definitiv ein Spezialgebiet der Norweger. Den größten Teil des Geländes stellen aus ganz Norwegen „eingesammelte“ alte Häuschen aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Häuschen in Maihaugen

Besonders schön in dieser Ecke des Freilichtmuseums ist die Stabskirche. Wer sich jetzt fragt „Was unterscheidet eine Stabskirche von einer ’normalen‘?“ – Bitte googeln, mein Wissen über Architektur geht leider gegen Null.

Wickies Heimat Flake? Fast – die Stabskirche in Maihaugen

Nachdem wir eine Weile durch die Grünanlagen geschlendert sind kommen wir im nächsten Bereich, der Stadt, an.

„Welcome to my house! Feel free to look around, and if you need a new suit or a jacket – my ‚Singer‘ is electric!“

In manchen der Häuser sind Schauspieler, die den Besuchern den geschichtlichen Hintergrund aus der Zeit „ihres“ Hauses näherbringen. So auch die „Zeitzeugin“ in diesem Haus, welches dem Zeitraum der 1940er Jahre entspingt.

Das besagte Haus steht in einem Gässchen, welches historisch komplett nachgebildet wurde. Das schönste: Die Apotheke ♥  Kann leider nicht von innen besichtigt werden, aber wenn man mit dem Gesicht ganz nah an der Fensterscheibe klebt hatte man trotzdem einen super Blick auf die antiken, hölzernen Apothekerschränkchen und die zahlreichen dunklen Flaschen mit undefinierbaren Inhalt.

Die Apotheke in „der Stadt“ Maihaugen

Nach dem Ausflug nach Maihaugen fahren wir nördlich, in Richtung der Hochgebirgsstraße Peer-Gynt-Vegen. Unterwegs müssen wir kurz mitten auf der Straße anhalten, weil ich die Mami und ihr Kleines nicht stören will 🙂

Freilaufende Kühe in Norwegen

Nach knapp 60 Kilometern sind wir auf dem Peer-Gynt-Vegen angekommen. Wo sich zuvor sanfte Hügel und sattes Grün um uns erstreckten, gleicht nun die Umgebung eher einer bunten Mondlandschaft. Unterschiedlichstes Moos und Gestrüpp, das wie Schaum den Boden überzieht, jedoch kein Baum mehr weit und breit umgeben uns auf unserer kleinen Wanderung im Sonnenuntergang.

Wir nehmen einem kleinen Weg einen Hügel hinauf – bis zu dieser Aussicht. Weil wir nicht den gleichen Weg zurück laufen wollen folgen wir einem schmalen Pfad, der jedoch nach einiger Zeit abrupt endet. Wir rechnen damit, dass der Weg weiter unten schon wieder anfangen wird, also laufen wir ein Stück querfeldein durchs Gestrüpp. Nun… der erhoffte Weg kommt nicht. Und so wird jeder Schritt zum Abenteuer. Das Moos und Gestrüpp unter unseren Füßen ist so weich und nachgiebig, dass ich bei jedem Schritt das ungute Gefühl habe, gleich mit dem Fuß durch die Zweige zu brechen und bis zur Hüfte in einem unterirdisch laufenden Bach zu stehen. Passiert zum Glück aber nicht und gerade noch so vor der Dunkelheit erreichen wir das rettende Wohnmobil 🙂

Die Mountainbike-Tour am nächsten Tag, ebenfalls auf dem Peer-Gynt-Vegen, ist nicht weniger spannend. Der Weg ist zwar für meine Verhältnisse eher ein Wander- als ein Fahrradweg, aber man wächst ja an den Herausforderungen!

Schreibe einen Kommentar