Malaysia – Cameron Highlands (Tag 102 – 105)

Teeplantagen und Mossy Forest

Zahlen, Daten, Fakten

Anreise:

Mit einem Reisebus (unser Bus war besser als so mancher deutscher Bus) aus Kuala Lumpur nach Tanah Rata.

Was erleben:

Die Cameron Highlands sind ein wahres Paradies für Naturliebhaber! Wandern auf eigene Faust und Tour mit den Eco Camerons in den Mossy Forest (in diesen kommt man ohne Guide nicht rein).
Warme Kleidung nicht vergessen.

Reisebericht

Weiter nördlich von Kuala Lumpur liegen die Cameron Highlands, unser nächster Stopp. Als wir mit dem Bus aus Kuala Lumpur ankommen ist es frisch, nachts wache ich aufgrund der Kälte mehrmals auf. Zum Glück bekommen wir auf Nachfrage hin noch eine zusätzliche Decke für die nächste Nacht. In Open Street Map sind Wanderwege eingezeichnet, die als durchnummerierte „Trails“ angezeigt werden. Man kann also problemlos auf eigene Faust loswandern, allerdings sollte man sich davor bei einem der Touranbieter informieren, welche der Trails aktuell begehbar sind (Stichwort Regenzeit, schlammig, Erdrutsch). Wir starten mit dem „Trail 10“ und werden nicht enttäuscht. An einigen Stellen schlängeln wir uns durch große Steine hindurch, der Weg ist teilweise zugewuchert oder geht steil nach oben, über „Wurzeltreppen“ geht es nach oben. Trotz der Nationalfeiertage hier in Malaysia haben wir den Weg fast für uns.

Am nächsten Tag machen wir eine Tour mit den „Eco-Camerons“ zu den Teeplantagen, ein Must-see hier in den Camerons. Vor uns erstreckt sich kräftiges, dichtes Grün so weit das Auge reicht, ein herrlicher Anblick! Auf den ersten Blick hätte ich allerdings die Teepflanze nicht von einer durchschnittlichen Vorgartenhecke unterscheiden können 🙂
Unser Guide ist großartig! Mit unglaublichen Enthusiasmus erzählt er uns vom Teeanbau in Malaysia. Hier wird, im Gegensatz zu Indien, der Tee nicht mit der Hand sondern mit Maschinen geerntet. Für die Tee-Experten: Dadurch kann der Tee nicht mehr in schwarzen, grünen und weißen Tee unterschieden werden; den Malaysiern ist das aber laut unserem Guide egal 🙂 Der in Malaysia angebaute Tee wird nämlich auch nur im eigenen Land verkauft.

Ausblick auf die Teeplantagen in den Cameron Highlands
Teeverkostung

Nach der Besichtigung – und natürlich auch Verkostung – machen wir eine Wanderung in den „Mossy Forest“. Ein Mooswald? Ich hatte nicht zu viel erwartet, schließlich wächst in deutschen Wäldern auch genug davon. Aber der Wald hier ist ganz anders als erwartet. Das Moos wächst wirklich überall, stellenweise so dick und tief, dass man beim Darüberlaufen das Gefühl hat über Kompost oder über eine Hüpfburg zu laufen. Wir kriechen durchs Unterholz, klettern über Baumstämme und schieben Vorhänge aus Moos beiseite. Dieser Wald hat etwas magisches. Würde an der nächsten Ecke die Fee Tinkerbell, Peter Pans Freundin, vorbeiflattern oder der Hase aus Alice im Wunderland hinter einem Baumstamm hervorblicken – es würde mich nicht wundern!

Unterschiedlichste Moos-Strukturen
Wir klettern und kriechen durch den Mossy Forest
Moos vom Erdboden bis in die Baumwipfel

Weil wir uns mit unserem Guide und dem Rest der Gruppe so gut verstehen entschließen wir uns spontan dazu, noch eine Nachnittagstour zu machen. Diesmal steht eine Wanderung mit Pflanzenkunde auf dem Programm. Interessant, aber auch anstrengend, nachdem wir schon den ganzen Vormittag unterwegs sind, zumal unser Guide das Lauftempo ganz schön angezogen hat. So fertig wir abends auch sind, am nächsten Tag geht es wieder frisch los. Wir beginnen mit Trail Nummer 9 zum Wasserfall und wechseln dann auf Trail 8, da niemand sicher wusste, ob Trail Nummer 9 bis zum Ende begehbar ist. Wir sind Stunden unterwegs, trotzdem laufen uns in dieser Zeit gerade mal drei Leute über den Weg. Und das, obwohl unsere Unterkunft und ein Großteil des Städtchens Tanah Rata ausgebucht ist. Wo sind die alle?!

Pflanzenkunde

2. Etappe: Malaysia – Kuala Lumpur (Tag 98 – 101)

First stop in Malaysia: Kuala Lumpur

Futurismus meets Tradition

In Kuala Lumpur sind wir mit der Purple Line, einer der kostenlosen Buslinien im Stadtkern und den Bahnlinien (Rapid KL) unterwegs. Wohin?

1. Little India
Der Duft von Räucherstäbchen liegt in der Luft und vermischt sich dort mit dem Geruch von süßlich-würzigem Essen. Bollywood-Lieder tönen aus verschiedenen Lautsprecherboxen. An den Eingängen zu diversen Shops hängen Blumenketten, in den Schaufenstern liegt opulenter Schmuck aus, Frauen laufen mit bunten Saris durch die Straßen – Welcome to Little India!
Little India (Brickfields) besteht aus einer einzigen Straße in Kuala Lumpur, links und rechts daneben bestimmen Hochhäuser und Shopping Malls das Stadtbild. Durch die unkomplizierte Anreise mir der Bahn (Station KL Sentral) und weil es so herrlich anders ist als das übrige Stadtbild lohnt es sich aber auf jeden Fall. Ein Besuch in einem indischen Restaurant in Kombination mit einem der leckeren Mango-Lassis ist Pflicht!

(Nicht nur) für Vegetarier ein Paradies: Die Vielfalt der indischen Küche

Mangolassi aus der Tüte (wenn man „To Go“ bestellt…)

2. Chinatown
Das Herz von Chinatown besteht im Grunde aus zwei Einkaufsstraßen. In den beiden engen Gassen werden Kleidung, Rucksäcke, Uhren und allerlei anderes verkauft, „echte Marken zu günstigen Preisen“ versteht sich 😉 Wer handeln kann ist im Vorteil, wer es nicht kann muss es hier lernen, denn sonst bezahlt man viel zu viel. 
Unsere Unterkunft, das Minglè Hostel, ist übrigens auch hier in Chinatown, nicht zu teuer und zentral gelegen.

Industrial Look vom Minglè Hostel

Lampions über den Straßen Chinatowns

3. Heli Bar
Die Skylounge ist zwar „nur“ 34 Stockwerke hoch, bietet aber dank etwas weniger Hochhäuser im direkten Umfeld einen super „Open Air“ Ausblick auf die Stadt bei Nacht, das Wahrzeichen der Stadt die Petronas Towers und das Farbenspiel des KL Towers. Am besten ist man aber gleich zur Abenddämmerung da. Die Cocktails hier sind zwar nicht gerade umwerfend, aber deswegen kommt man ja auch nicht hier her 😉

Aussicht von der Heli Bar

4. Das Nationalmuseum
Hier sind Ausstellungsstücke von der Steinzeit über die Zeit des Kolonialismus bis hin zur Neuzeit zu finden. Sehr informativ und mit einem Euro Eintritt schont es zudem den Geldbeutel von Langzeit-Touristen.

5. Islamic Art Museum
Der „etwas andere Blick“ auf den Islam, denn hier geht es um die Kunst, welche in dieser Religion entstand. Manadalaartige Glaskuppeln zieren die Decken im Gebäude, die Schaukästen zeigen zum Beispiel Nachbildungen von architektonisch unterschiedlichen Moscheen, fein gewebte Teppiche, Artefakte und kunstvoll gestaltete Bücher (nicht nur den Koran, sondern auch wissenschaftliche Werke).

Deckenkuppel im Islamic Art Museum

Nachbildung vom Taj Mahal

6. Sri Maha Mariamman Tempel
Der hinduistische Tempel ist in Fußnähe vom Minglè Hostel. Es ist ein schmales, aber buntes und reich verziertes Gebäude. Vor dem Betreten werden die Schuhe ausgezogen. Der Hindu-Priester trägt nur ein Tuch um die Hüfte, er segnet Menschen in Business-Anzügen, die in der Mittagspause kurz zum beten vorbeikommen und auch uns, wir bekommen einen roten Farbpulver-Punkt auf die Stirn aufgedrückt 🙂

Sri Maha Mariamman Tempel

Nach der Hindu-Segnung im Tempel

7. Masjid Jamek
In der Nationalmoschee herrscht ein strikter Dresscode: Als Frau müssen Beine und Arme komplett bedeckt sein, außerdem braucht man ein Kopftuch. Ich hatte mich schon „passend“ abgezogen, aber an der Moschee können auch Umhänge geliehen werden. Der Gebetsraum darf von Nicht-Muslimen nicht betreten werden, aber der Raum ist zu vielen Seiten offen und man erhält so trotzdem einen guten Eindruck.

Gebetsraum der Nationalmoschee

8. Der KL Tower
Wer keine Höhenangst hat kann mit dem Aufzug auf das Observation Deck und die Stadt durch einen Glasboden hindurch anschauen. Für alle anderen gibt es darunter auch ein Stockwerk mit undurchsichtigem Untergrund, dafür mit Fenstern rundherum und Ferngläsern, mit denen man gestochen scharf in die Hotelzimmer der Hochhäuser blicken kann (privatsphären-rechtlich vielleicht etwas fragwürdig).

Aussicht vom KL Tower bei Tag…

… und bei Nacht

Und sonst?
– Malls in denen man sich verlaufen kann
– viel leckeres Essen überall

Orchideen-Garten im botanischen Garten

Wasserspiel am Independence Square
Beten mit Räucherstäbchen in einem der chinesischen Tempel
Rock’n’Roll Restaurant in der Nähe der Lot 10 Mall
-> sogar mit stilechten Eiswürfeln
Expo: Interaktive Messe über die Zukunft Malaysias

2. Etappe: Indonesien – Yogyakarta (Tag 93 – 96)

Borobodur und Prambanan

Wer ist hier das Fotomotiv?!

Wie wohl alle Touristen in Yogyakarta sind wir in erster Linie wegen den beiden Tempeln Borobodur und Prambanan hier. Wir starten mit dem hinduistischen Tempel Prambanan, der aus unerfindlichen Gründen weniger bekannt ist als sein „Nachbar“ Borobodur. Der Prambanan ist nicht weit von außerhalb von Jogja, dadurch können wir bequem mit dem Roller hinfahren. 

Der Tempel ist allein aus der Ferne wahnsinnig beeindruckend! Er erhebt sich aus einer ebenen, weiten Grünfläche, wodurch er noch imposanter wirkt.

Prambanan

Als wir auf ihn zulaufen werden wir von einer Gruppe kichernder Teenies aufgehalten, die Fotos mit uns machen wollen. Das kennen wir ja schon von anderen Teilen aus Indonesien („Hello Mister!“), und so stehen wir gerne bereit. Kaum zwei Schritte weiter kommt die nächste Gruppe und fragt nach einem Foto. Alle paar Schritte wiederholt sich das Szenario. Irgendwann schiebt sich ein Erwachsener während des Bildes frech vor die Teenies und posiert mit uns, die Teenies lachen. „Ich bin der Lehrer“, erklärt er uns grinsend. „Heute ist eine Ausflugsfahrt an unserer Schule. Wir sind mit 12 Bussen hier!“
„Oh nein“, denke ich.

Irgendwie schaffen wir es dann doch vor zum Tempel. Die feine Steinmetz-Arbeit in den Mauern gefällt mir besonders. Es gibt entsprechend den drei Hauptgöttern im Hinduismus drei Tempel, die auch von Innen besichtigt werden können. Die Tempel für Brahma den Schöpfer und Vishnu der Bewahrer sind kleiner als der Tempel für Shiva, den Gott der Zerstörung – klar, schließlich muss man diesen Gott besonders froh stimmen um keine Strafe zu erhalten! Innen sind die Tempel oft leer, die Außenmauern sind nach diversen Erdbeben (letztes 2006) weitestgehend wieder aufgebaut.

Im Vergleich zum Tempel bin ich ein kleiner Punkt
Feine Steinmetz-Arbeit an den Mauern

In Fußnähe liegen noch weitere kleinere und ein größerer buddhistischer Tempel. Diese scheinen fast unbekannt zu sein, bei dem buddhistischen Sewu Tempel sind wir sogar alleine! Auf dem Rückweg treffen wir noch einen Guide, von der wir erfahren, dass beim Bau der jeweiligen Tempel Hinduisten und Buddhisten gleichermaßen beteiligt waren und sich gegenseitig beim Bau halfen. Schön ♡

Wächter am Sewu Tempel

Es regnet, der Borobodur muss warten. Wir gehen ins 3D Trick Art Museum. In der Künstlerstadt Jogja haben wir ein Kunstmuseum mit optischen Täuschungen erwartet. Erhalten haben wir das:

Anni in Jogja alias „Alice im Wunderland“

Bilder auf dem Boden, die Fotografieren optische Täuschungen ergeben. Naja. Nett…

Abends feiern wir mit Aldy (dem Besitzer des Luwabica Art’n Coffee House) und mit anderen Gästen seines Hauses Harrys Geburtstag. Zum Abendessen gibt es Western-indonesische Küche: Spaghetti – mit Stäbchen 🙂 Später gehen wir in einen Club. Auf der Bühne stehen ein paar Tänzerinnen mit Kleidung im Unterwäsche-Format. „Joah“, würde ich in Deutschland denken. „Was passiert hier??!!“, denke ich in einem muslimisch-geprägten Land, in dem mir tagsüber die Frauen mit Kopftuch begegnen. Offensichtlich macht die Religion nachts in Clubs Pause.

Der letzte Tag in Yogyakarta, vergeblich hatten wir auf eine Regenpause für die Besichtigung des Borobodur gehofft. So ziehen wir notgedrungen mit Regencapes zum Sunrise Point los, allerdings sieht man vom Sonnenaufgang (wie erwartet) bei diesem Wetter nichts. Der buddhistische Weltkulturerbe-Tempel verliert natürlich auch bei Regen nicht seine Schönheit. Unser Guide erklärt uns die „Ebenen des Diesseits und des Jenseits“, die im Tempel dargestellt werden, Buddha’s Gesten und die für den Buddhismus charakteristischen Stupa-Skulpturen.

Stupa Skulpturen mit Buddhas darin

Und was gibt’s sonst noch in Yogya? 

Fancy Autos am Alun Alun Selatan Platz

Traditioneller Markt in Yogyakarta

Echsen auf dem Vogelmarkt
Traditionelles Schattenpuppen-Theater

2. Etappe: Indonesien – Yogyakarta (Tag 91 – 92)

Künstlerstadt Jogja

Das Ende der Reiskriese

In Indonesien heißt „Unser täglich Brot“ – „Unser täglicher Reis“. Zu wirklich jedem Gericht wird er dazu gereicht, manchmal besteht sogar das Frühstück schon aus gebratenem Reis. Es ist erstaunlich, wie lange man sich davon ernähren kann, ohne es im wahrsten Sinne des Wortes satt zu haben. Ich habe allerdings mittlerweile ganau diesen Punkt erreicht.

Als wir Bunaken verlassen, haben wir ein paar Stunden „Zwangspause“ vor unserem Flug nach Yogyakarta. In dieser Zeit futtern wir uns einmal quer durch die westliche Küche, ich betrete sämtliche Fast-Food-Ketten, um die ich zu Hause einen großen Bogen mache. Mc Donalds kommt mir plötzlich vor wie ein Gourmetpalast, Dunkin Donuts ist eine Oase in der Wüste. Als ich das Flugzeug betrete ist mir schlecht. Hoffentlich ist die Reiskriese bald überstanden.

Mobile Straßenküchen, wie sie überall in Indonesien anzutreffen sind
Kleine Stücke Heimat

Abends kommen wir in Jogja, wie Yogyakarta liebevoll von seinen Bewohnern genannt wird, an. Unsere Unterkunft hier ist das Luwabica Art’n Coffee House, welches wir zuvor bei folgendem Dialog gebucht hatten:

Harry: Die Unterkunft hier sieht cool aus, die Bewertungen sind auch gut. Was hältst du davon? Ich: Buchen. Harry: Willst du dir nicht wenigstens die Bilder ansehen? Ich: Da steht das Wort „Kaffee“ im Titel, das kann gar nicht schlecht sein!
Und so ist es: Das Luwabica Art’n Coffee House ähnelt einer Studenten WG, ich fühle mich hier sofort zu Hause. An den Wände hängen kreative, selbstgemalte Bilder des Besitzers, überall ist Star Wars Deko verteilt – sogar die Hauskatze heißt Yoda. Ah, und leckeren Kaffee aus allen Anbauregionen Indonesiens gibt’s hier natürlich auch 🙂

Luwabica Art’n Coffee House in Yogyakarta

Am nächsten Tag besichtigen wir den Wassertempel. Unser Guide ist ein Tourismus-Student, der uns mit viel Humor den Aufbau des Tempels erklärt. Der Tempel und die Kunst an den umliegenden Gebäuden sind sehr schön, ein Guide ist absolut notwendig, da nirgendwo Infotafeln hängen und man sonst von der Geschichte des Tempels überhaupt nichts mitbekäme.

Streetart in Yogyakarta
Wassertempel
Batik – nicht nur eine Modeerscheinung der Hippiezeit, sondern auch die traditionelle Wachs-Färbekunst aus Yogyakarta.

Abends sind wir auf einem Rummelplatz. Harry und ich sitzen in einem kleinen Riesenrad, das von einem laut knatternden Dieselmotor angetrieben wird. In Deutschland würde niemand hierfür aus dem Haus gehen, aber hier quietschen alle vor Vergnügen und auch wir haben großen Spaß dabei! In einer anderen Ecke des Rummelplatzes angeln Kinder Plastikfische und auch echte Fische (!) mit einem Kescher aus einem Planschbecken. Von zahllosen Straßenküchen steigt der Geruch von Rauch und gebratenem Fleisch auf. Irgendwann steigen wir müde in eine der Fahrrad-Rikschas und lassen uns nach Hause fahren.

Am nächsten Tag im Restaurant bin ich kurz davor ein Sandwich zu bestellen – und nehme dann doch wieder einen „Fried Rice“. Na bitte, die Reiskriese ist überstanden! 🙂

Rummelplatz
Fahrrad-Rikscha

2. Etappe: Indonesien – Sulawesi (Tag 84 bis 90)

Tangkoko-Nationalpark

Ein Affe kommt selten allein

04:00 Uhr morgens, der Wecker klingelt. Wir sind in Batu Putih am Rande des Tangkoko-Nationalparks und stehen um diese unchristliche Uhrzeit auf, um ein paar Affen zu sehen. Zumindest geht mir das gerade durch den Kopf.
Kurze Zeit später ändere ich meine Meinung. Die kleinen nachtaktiven Tarsius-Äffchen sind einfach wahnsinnig putzig! Die kleinsten Affen der Welt sind kaum größer als eine Maus und haben das Gesicht einer Eule mit riesigen Kulleraugen und Füße wie Geckos. Quiekend springen sie durch die Bäume und in gezielten Sprüngen schnappen sie sich die Heuschrecken weg, die Fiona, unser Guide, auf den Baum gesetzt hat.

Tarsius-Affen im Tangkoko-Nationalpark

Kurz darauf sehen wir Schopfmakaken, eine vom Aussterben bedrohte Affenart. Erst rennen sie scheu vor uns davon, nachdem wir ihnen eine Weile gefolgt sind sind wir irgendwann voll akzeptiert und stehen inmitten der Affenbande. Dank den Adleraugen von unserem Guide sehen wir später noch einen Kuskus (ein Beuteltier, kein Hartweizengrieß) und Eulen in den Baumwipfeln, außerdem eine Zikade, die gerade mal so groß ist wir ein Fingernagel – und so viel Lärm macht dass es uns fast schon in den Ohren dröhnt. Unsere Dschungeltour dauert insgesamt ganze vier Stunden.

Eulentrio

Schopfmakaken im Tangkoko-Nationalpark

Nachdem wir unseren Schlaf nachgeholt haben fahren wir nach Bitung, eine Stadt an der Ostküste Sulawesis. Lembeh ist eine Insel, die fürs Makrotauchen bekannt ist. Je kleiner die Lebewesen, desto höher der Preis – ein Tauchgang kostet knapp 50 Euro. Ohne High-End Makrokamera ist hier keiner unterwegs, denn für einen Großteil der Wassertierchen braucht man fast schon ein Mikroskop. 

Die letzten vier Tage in Sulawesi brechen an, bevor wir nach Jawa weiterfliegen. Die Frage, wo wir diese verbringen wollen ist schnell beantwortet: Auf Bunaken, wo wir noch einmal die Vielfalt der Unterwasserwelt genießen. Noch einmal übernachten wir im Tandjoeng bei den liebevollen Gastgebern Olga und Ope. Mit Bintang (der einzigen Biermarke in Indonesien), Arak (dem selbstgebrannten Schnaps), Schokotorte im Gesicht und den Musikern des Dorfes feiern wir in Lagerfeuer-Athmosphäre bis spät nachts den Geburtstag einer Langzeit-Reisenden.
Die Verabschiedung von Sulawesi, dem kleinen Stückchen Paradies. 

2. Etappe: Indonesien – Sulawesi (Tag 78 bis 83)

Tomohon

Der zurückgelassene Schweinskopf

Sulawesi ist christlich geprägt, daher bereitet man sich hier ab September auf Weihnachten vor: In unserem Hotel werden Weihnachtslieder rauf und runter gespielt, golden glitzernde Plastik-Schneeflocken hängen über dem Empfangstisch, im Eingang steht ein Tannenbaum, ebenfalls aus Plastik, mit einer stroboskop-artig blinkenden Lichterkette. Mal ganz abgesehen davon, dass wir hier Kitsch in seiner Höchstform vorfinden wirkt das alles bei 32 Grad Außentemperatur, sagen wir, etwas paradox…

Wir haben Bunaken verlassen und stehen nun wieder auf dem Festland Sulawesi. Mit einem Roller fahren wir nach Tomohon. Für einen kurzen Moment komme ich meinen Pflichten als Navigator nicht nach und wir verfahren uns in eine Seitenstraße. Ein glücklicher Zufall, denn hier ist gerade ein Wochenmarkt. In Schrittgeschwindigkeit fahren wir durch die enge Straße. Zum Glück haben wir einen stabilen Magen, denn die Geruchswelt bewegt sich zwischen gammligem Gemüse, Fisch, Abwasser und Gerüchen die nicht so ganz identifiziert werden können… Auf einem Marktstand werden gegrillte Hunde am Spieß (ja, wirklich!!) verkauft, ein Händler versucht, Harry einen ganzen Schweinskopf zu verkaufen, obwohl Harry beide Hände am Roller hat. Der Verkäufer guckt etwas enttäuscht als wir dankend ablehnen. Vielleicht hatte er gehofft, dass wir ihm den Schweinskopf abkaufen und diesen als Galleonsfigur auf dem Roller drapieren?!

Nach etwa eineinhalb Stunden kommen wir in Tomohon an. Zunächst besuchen wir den Linow-See, der aufgrund seines Schwefelanteils je nach Lichteinfall der Sonne in unterschiedlichen Farben leuchten soll. Heute ist es allerdings trüb, der See ist daher einfach nur hellgrün.

Einfarbig, aber trotzdem hübsch: Der Linow-See in Tomohon

Unser letztes Ziel an diesem Tag sind die heißen Quellen. Tomohon liegt relativ hoch in den Bergen, daher freuen wir uns schon auf das warme Wasser. In einem Hotel fragen wir nach, wie genau wir zu den Quellen hinkommen. Der Hotelportier wittert seine Chance und versucht, uns ein Bad in einer Badewanne für 15 Euro zu verkaufen. Auf unsere Nachfrage hin, wo denn die natürlichen heißen Quellen sind zeigt er auf eine Pfützenansammlung hinter der Hotelanlage. Das muss anders gehen. Harry und ich fahren weiter, und nach einer dreiviertel Stunde Suchen haben wir gefunden, nach was wir gesucht haben. Ein öffentlicher Pool, der mit gefühlt nahezu kochend-heißem Wasser des aktiven Vulkans gefüllt ist. Herrlich!

Hier ist der Pool!

Wanderung am nächsten Tag im Märchen-Dschungel

2. Etappe: Indonesien – Sulawesi (Tag 67 bis 77)

Die UnterwasserWELT

Ein kleines Stückchen Paradies

Es ist nicht so, dass mir bisher langweilig gewesen wäre. Es ist auch nicht so, dass mich die Strandbars gestört oder mir die leckeren Drinks darin nicht geschmeckt hätten. Aber irgendwie hatte das Gefühl, mal Abstand genau davon zu brauchen und Orte zu sehen, die touristisch noch nicht so erschlossen sind. Und so sitzen wir heute im Flugzeug nach Manado, Sulawesi. Unsere Unterkunft hier ist das Homestay „Rumah Singgah Manado“ und ist mit umgerechnet ca. 6,50 Euro pro Nacht (nicht pro Person!) inklusive Frühstück die günstigste Unterkunft, die wir jemals hatten. Viel interessanter aber: Unsere Gastgeberin Sella betreibt mit ihrem Mann eine Non-Profit-Organisation, die sich in Umweltschutz-Themen engagiert. Unter anderem engagieren sie sich für Umweltbildung, sie etablieren Recycling-Infrastrukturen in Dörfern und kümmern sich um die Wiederaufforstung eines Mangroven-Waldes.  Wer weiterlesen will: https://www.manengkel.net

Mit einem Mikrolet, einem der Minibusse hier in Manado, fahren wir zum Hafen. Die Soundanlage hier ist wohl das, was in dieser Klapperkiste noch am besten funktioniert 🙂 Am Hafen nehmen wir ein Public Boat zu der Insel Bunaken, angeblich ist hier ein Paradies für Taucher. Nach und nach wird unser Boot voll geladen mit Wassergallonen, Bananen, Farbeimern und Tofu, mit Plastikstühlen und auch mit ein paar Touristen. 

Mikrolet Bus in Manado

Unser vollbeladenes Boot auf der Fahrt nach Bunaken

Die Bunaken sind kein unentdecktes Paradies mehr – aber sie sind ein Paradies. Unsere Unterkunft „The Tandjoeng“ ist direkt am Strand und beim Abendessen sehen wir aufs Meer hinaus und hören die Wellen rauschen. Irgendwo spielt einer Gitarre, jemand singt dazu. Dann wieder Meeresrauschen.

[Keine Bildunterschrift nötig. Spricht für sich.]

Der nächste Morgen beginnt früh, mit 4 anderen Touristen sitzen wir im Boot um Delfine zu sehen. Ich mache mir vorsorglich nicht zu viele Hoffnungen, wer weiss ob wir überhaupt welche sehen werden. Meine Befürchtungen sind unbegründet: Wir sehen gleich mehrere Schulen (Gruppen von Delfinen) und einige die ganz neugierig sind schwimmen sogar neben dem Boot her! Ich dachte eigentlich, Delfine seien einfach nur die Lieblingstiere von kleinen Mädchen im Grundschulalter. In Wahrheit sind sie wunderschöne, starke und faszinierende Lebewesen – nur leider zu schnell für unsere Kamera 🙂

Unsere frühmorgendliche Tour hält nicht nur Delfine, sondern auch noch zwei Schnorchelspots bereit. Bei einer Sichtweite von mindestens 25 Metern sehen wir wahnsinnig viele Fische und auch Schildkröten, die in einer Seelenruhe durchs Wasser gleiten. Jedes Mal, wenn ich denke „jetzt hab ich aber alle Arten der Fische hier gesehen!“ schwimmt einer an mir vorbei, den ich bisher noch nicht gesehen hatte, ganz so als wollte er mir sagen „Ätsch, nee hast du nicht!“ Ich bin – mal wieder – die Letzte auf dem Boot. Das Schnorcheln hat uns überzeugt: Die Insel ist wirklich ein Paradies für Taucher und so lassen wir uns von der allgemeinen Euphorie hier anstecken – wir machen den Tauschschein. In den folgenden Tagen sehen wir unter anderem den wunderschönen und hochgiftigen Feuerfisch, Clownfische, Seesterne und Schildkröten, Seeschlangen und riesige Fischschwärme, Meeresschnecken mit bunten Tupfen und Kreaturen, die sich gar nicht so recht beschreiben lassen. Der Begriff „Unterwasserweltist also mehr als angebracht!

Blick vom Boot ins Wasser auf die Korallen

#CouldStayHereForever 😉

2. Etappe: Indonesien – Lombok (Tag 61 bis 66)

Lomboks Süden

Vom Kitesurfen ohne Wind, dem Kätzchen und ach, lest selbst…

Diverse Websites und Reiseführer berichten von Kuta Lombok (nicht zu verwechseln mit Kuta Bali), der Schönheit der Strände hier und den vielen Nightlife-Optionen. Der Großteil der Lombok-Touristen steuert also den Süden an, so wie wir jetzt auch – nicht (nur) wegen dem Nachtleben sondern in erster Linie deshalb, weil wir im Vorjahr einen Kitesurf-Kurs gemacht haben und Harry seine Fähigkeiten weiter ausbauen will. In diversen Blogs hatten wir gelesen, dass man hier in Kuta Lombok gut Kitesurfen kann. Kann man auch. Was uns die Blogs allerdings verschwiegen haben: Am besten ist der Wind in der Saison von Juni bis August. Jetzt ist es Mitte Oktober, und der Wind ist quasi nicht vorhanden.

Wir bleiben trotzdem erstmal hier, könnte ja doch noch was werden mit dem Wind. Wir quartieren uns im Homestay „Ketapang“ ein, und wundern uns zum einen, wie eine Unterkunft so nahe am Strand so günstig sein kann und zum anderen, wieso man hier das Geld im Voraus möchte? Abends sind wir klüger: Die Bässe der Strandbars sind so laut, dass wir in unserem Zimmer das Gefühl haben, direkt neben der Soundanlage zu stehen. Ohrstöpsel koennten in den nächsten Tagen meine zwei neuen besten Freunde werden. Wir entscheiden uns daher für Plan B: Anstatt uns darüber aufzuregen wie laut es in unserem Zimmer ist stürzen wir uns ins Nachtleben!

Wir tanzen im Sand bis in die frühen Morgenstunden

Vor unserem Homestay finde ich ein kleines Kätzchen. Mein Herz geht auf, ich könnte das Kleine sofort adoptieren. Die nächsten Stunden steht Harry an zweiter Stelle 😉

Eine Katzenspielzeug-Improvisation: Schnur und Klopapier 😉
Müde vom spielen schläft „mein“ Kätzchen auf meinem Bauch ein ♡

Wieder ist keine Spur Wind spürbar. Wir leihen uns einen Roller und fahren zum benachbarten Strand Tanjung Aan, der uns als besonders schön empfohen wird. Der Strand ist so hell und fein, dass er aussieht wie aus Puderzucker, im Hintergrund erheben sich zerklüftete Felsen aus dem Meer. Von Weitem wirkt es wie das Paradies, von Nahem ist es ein Trauerspiel: Ich habe selten so viel Plastik auf einmal gesehen. Bei jedem Schritt knirscht eine Plastikflasche unter meinen Fuessen, bei jedem Schwimmzug im Meer schiebe ich bunte Plastikverpackungen zur Seite. Irgendwann packt mich die Wut. Ich fische nach einer grossen Plastiktüte und fange mit Harry zusammen an Müll zu sammeln. Ein ganz ähnliches Gefühl muss Don Quijote im Kampf gegen seine Windmühlen erlebt haben. Unsere Plastiktüte ist am Ende brechend voll, und trotzdem sieht der Strand kein bisschen besser aus. Fühle ich mich besser, weil ich wenigstens einen kleinen Beitrag hier geleistet habe? Irgendwie nicht. Immerhin: Der Eisverkäufer hier ist begeistert von unserer Aktion und verspricht, morgen eine Mülltuete an seinem Eiswagen zu befestigen. Aktuell landet nämlich sämtlicher Müll seiner Eistüten am Strand.

Nur auf den ersten Blick schön – der Strand Tanjung Aan

Auch nach Tagen ist kein Wind zum Kiten vorhanden, deshalb gehen wir wellenreiten. Der Strand „Pantai Selong Belanak“ ist perfekt für uns als Anfänger, allerdings ist auch hier wahnsinnig viel Müll am Strand und im Meer. 

Als ich mir diesen Beitrag nochmal durchlese stelle ich fest, dass er insgesamt etwas negativ wirkt. Soll er eigentlich gar nicht, denn (abgesehen von dem Plastikmüll) ist es hier sehr schön! Die Reggae-Partys hier sind toll, und das Kätzchen, hach das Kätzchen war einfach nur zuckersüß ♡

Kiten für eine Stunde, als ein kleines bisschen Wind weht
Wasserbüffel in Lomboks grünen Bergen

2. Etappe: Indonesien – Lombok (Tag 58 – 60)

Lomboks Mitte und sein Norden

Als Singah die bösen Geister besiegte

Über AirBnB finden wir unseren nächsten Gastgeber: Putu lebt mit seiner Familie in einem kleinen Örtchen namens Batulayar nördlich von Mataram. Warmherzig werden bei ihm zu Hause aufgenommen, wir fühlen uns sofort in die Famlie integriert 🙂 Abends nimmt uns Putu mit zu einem hinduistischen Fest hier in Batulayar. Dafür werden wir mit traditionellen Sarongs, Scherpen und Kopfbedeckung ausgestattet, als Sahnehäubchen steckt uns Sri, Putus Frau, zum Schluss noch eine Lotusblüte ins Haar.

Hübsch gemacht für die Zeremonie

Bei dem Fest sind wir bis auf zwei andere „Weiße“ wieder die einzigen Touristen. Putu ist Mitglied im „Gamalan-Orchester“, einer traditionellen Musik in Indonesien. Wir haben quasi VIP-Plätze mit Aussicht auf die Zeremonie, die nun beginnt. Unterschiedliche Darstellerfiguren betreten die Bühne, sie mimen bestimmte Gestiken, singen, tanzen oder animieren das Publikum dazu, es ihnen gleichzutun. Im falschen Moment schiebt Harry mich nach vorne und plötzlich stehe ich mitten auf der Bühne, wo ich unter lautem Gejohle der Indonesier mittanzen muss.

Gamalan-Musik zwischen Tradition und Moderne

Die traditionellen Kostüme sind fein gearbeitet, sehr farbenfroh und mit viel Liebe zum Detail ausgestaltet. Auch die Tänze begeistern mich erneut, mit graziler Leichtigkeit biegen Frauen und Männer ihre Körper und insbesondere ihre Finger in die unterschiedlichsten Richtungen. Das hier hat wirklich etwas magisches. Die Einheimischen allen Alters pflegen hier gemeinsam ihre Tradition – und wir haben das irrsinnige Glück, ein Teil dessen zu werden.

Die Tänzerin in ihrem Element
Einer der bösen Geister
Der Löwe Singah besiegt die bösen Geister
Fotogene Indonesier 🙂
Die Segnung am Ende der Zeremonie

Den nächsten Morgen starten wir mit einer Yoga-Session gemeinsam mit Putu und seiner Familie. Anschliessend schnappen wir uns einen Roller und fahren zu den Rinjani-Wasserfällen. Die Fahrt dauert fast zweieinhalb Stunden, lohnt sich aber. Beim ersten Wasserfall prasselt so viel Wasser herunter, dass ich mich aus Angst, durch die Wassermassen das Gleichgewicht zu verlieren gar nicht traue komplett darunter zu stehen. Doch auch direkt neben dem Wasserfall bekomme ich so viel Sprühnebel ab, dass ich am Schluss klatschnass bin. Das Wasser ist kalt, und nach 3 Wochen Hitze erlebe ich hier ein völlig ungewohntes Körpergefühl: Ich friere.

Harry unter den Wassermassen

Als wir zum zweiten Wasserfall laufen stehen wir irgendwann direkt vor einem Fluss. Wir hatten zwar davon gehört, dass der Weg irgendwann endet und mitten durch den Fluss läuft – nur wo geht es auf der anderen Seite weiter? Unauffällig schließen wir uns der nächsten Touristengruppe an, bei der ein Guide vorne rausläuft. So finden wir ihn doch, den zweiten Wasserfall. Ein Tropenbild wie aus dem Bilderbuch bietet sich uns: Umgeben von Lianen, Palmen und anderen Urwaldpflanzen prasselt der Wasserfall – besser gesagt, die Wasserfälle – in einen kleinen „Pool“, in dem wir baden gehen. Wir sind in einer solchen Dschungelbuch-Idylle, dass mein Blick ständig nach oben wandert, weil ich förmlich darauf warte Mogli über mir in den Lianen hängen zu sehen!

Dschungelbuch – Träume

2. Etappe: Indonesien – Lombok (Tag 57)

Hello Mister!

Begegnungen in Mataram 

Von Gili Air fahren wir weiter nach Lombok. Zur Hälfte ist es ein Pflichtbesuch, denn hier in der Hauptstadt Mataram müssen wir unser Visum verlängern. Der erste von drei Besuchen im Einwanderungsbüro „Imigrasi“ geht schnell, zum Mittagessen gehen wir in eine kleine Straßenküche. Die Köchin hier spricht kein Englisch, ein vorbeikommender Polizist hilft aus. Ich bin perplex, er spricht sogar ein bisschen Deutsch. Nach dem Essen stehen plötzlich noch Freunde unserer Köchin neben uns und bitten uns um Fotos. Wir sind überrascht, aber natürlich tun wir den Einheimischen diesen Gefallen. Wir werden herzlich umarmt und bekommen Komplimente für unsere Schönheit. Ich fühle mich etwas veräppelt, denn schließlich kann ich dank schwitzigen 30 Grad und verwuschelten Haaren sicherlich kein Hingucker sein?

Anscheinend sind Harry und ich es doch: Ein wenig später probieren wir an einem Crêpe-Stand einen etwas ungewöhnlichen aber leckeren Schoko-Banane-Käse Crêpe. Am Stand steht eine Gruppe junger Teenie-Mädels. Irgendwann fragt eine aus der Gruppe schüchtern, ob sie ein Foto mit uns machen können? Klar können sie. Unter viel Gekicher werden Handys gezückt und Selfies mit uns gemacht. Auch wenn wir in den drei Wochen hier in Indonesien viel Farbe abbekommen haben kommt unser Hautton natürlich noch lange nicht an den der Indonesier heran. Zudem überrage ich mit meinen 1,76m sämtliche Frauen um mindestens einen Kopf, die Männer sind maximal so groß wie ich. Von Harry mit seinen 1,89m ganz zu schweigen! Vermutlich qualifiziert uns aber allein unsere Hautfarbe zu Supermodels. Personen auf Werbeplakaten haben ausschließlich eine weiße Hautfarbe. Im Gegensatz zu Deutschland und westlichen Ländern gilt helle Haut hier als Schönheitsideal, im Supermarkt kauft man in Südostasien Whitening-Cremes statt Selbstbräuner.

Als wir am Abend durch Matarams Straßen schlendern wird uns von Mofas und sogar von der anderen Straßenseite aus ein „Hello Mister!“ entgegen gerufen. Ständig werden wir angesprochen und gefragt wie wir heißen, woher wir kommen und wohin wir gehen. Auf unsere Antwort hin „zum Supermarkt“ beschreiben uns die Einheimischen den Weg, den wir gehen müssen, obwohl wir diesen bereits kennen und obwohl wir gar nicht danach gefragt hatten.

Ich bin gerührt über so viel Herzlichkeit und Offenheit der Indonesier gegenüber uns. Es ist schon paradox: Ein Land, dass aufgrund von Kolonialismus und Kriegen der „weißen“ Bevölkerung eigentlich mit Verachtung gegenüberstehen müsste empfängt uns mit offenen Armen. So schäme ich mich fast für Deutschland, wo „Andersfarbige“ bei Weitem nicht mit so viel Freundlichkeit behandelt werden (und die AfD 12,6% der Wählerstimmen erhielt).

Bei all der Freundlichkeit der Indonesier uns gegenüber fragen Harry und ich uns, ob die Indonesier wohl untereinander auch so nett zu einander sind? Wir „Weißen“ sind „die Anderen“ und werden auch so behandelt, auch wenn dies in unserem Fall positiv ausfällt. Diese Privilegien haben einen bitteren Beigeschmack…