1. Etappe: Norwegen – Going South (Tag 12 bis 20)

Geiranger-Fjord, Gletscher Briksdalsbreen und Wanderung bei Kisnarvik

Die Schönheit der Wasserfälle

— Bilder folgen! —

Unsere nächste Station: Der Geirangerfjord, anscheinend einer der beliebtesten Touristenspots Norwegens. Als wir ankommen ist die Aussichtsplattform voll mit Touristen und im engen Fjord gibt es fast schon einen Stau der riesigen Kreuzfahrtschiffe. Wir laufen neben dem eigentlichen Aussichtspunkt ein paar Meter auf eine Anhöhe durch ein Gatter hindurch und haben dann sogar eine noch bessere Aussicht als auf der eigentlichen Aussichtsplattform.

Der Tag danach: Ok, wir sind nicht wirklich weit gekommen. Genau genommen – wir haben es gerade so von der nördlichen Aussichtsplattform des Fjords runter ins Dorf geschafft. Auf Reisen geht eben alles etwas langsamer… Dafür finden wir an diesem sonnigen Spätsommertag einen Campingplatz am Ortsrand (Grande Hytterleige og Camping), bei dem man Motorboote mieten kann. Ist zwar mit 35 Euro die Stunde nicht ganz günstig, aber wann fährt man schon mal selbst mit einem Motorboot? Und die Aussicht auf die “Seven Sisters”, sieben Wasserfälle die direkt nebeneinander in den Fjord prasseln, ist es allemal wert. Harry angelt unterwegs mal wieder, zurück auf dem Campingplatz versuche ich, den gefangenen Fisch unseren Zeltnachbarn anzudrehen, weil ich langsam keinen Fisch mehr sehen kann…

Wir fahren zur Gletscherzunge “Briksdalsbreen”. Die Überlegung, ein “Troll-Auto” (ein kleines Gefährt, das Touristen dem Gletscher näher bringt) zu nehmen, lassen wir zum Glück wieder fallen, denn kurz darauf stellen wir fest, dass man den letzten Teil der Strecke zum Gletscher hin sowieso zu Fuß gehen muss. Wir machen also eine kleine Wanderung (naja, im Vergleich zur Wanderung am Trollstigen eher ein Spaziergang) vorbei an einem tosenden Wasserfall, bei dem in der Sekunde 10.000 (!!) Liter Wasser herunterprasseln. Nach etwa einer dreiviertel Stunde stehen wir am Fuß des Gletschers. Am obersten Punkt ist man zwar noch 50 Meter vom Eis entfernt, trotzdem wirkt alles sehr eindrucksvoll! Eisiges Blau schmiegt sich in den Fels, neben uns staut sich das Gletscherwasser in einem See um anschließend zum Wasserfall zu fließen. Neben dem Gletscher sind Schilder angebracht, die in bestimmten Abschnitten die Größe des Gletschers während des letzten Jahrhunderts markieren. Die Vorstellung, dass vor gar nicht allzu langer Zeit der Gletscher noch deutlich größer war ist erschreckend. Der Ausflug an den Gletscher war toll und hat mich trotzdem nachdenklich gemacht.

Auf unserer Fahrt in Richtung Naeroyfjord behindern ein paar weiße Wollknäuel unseren Weg 🙂 Schafe laufen hier in Norwegen frei herum – und unter Umständen auch mal eine Weile vor dem Wohnmobil her, wenn der Leithammel den Asphalt auch nicht verlassen will.

Notiz am Rande: Harry will noch sehr gerne Nordlichter sehen, ich Elche. Mal sehen, wer von uns zuerst Glück hat.

Ganz offensichtlich leide ich an Bewegungsmangel: Am nächsten Morgen fahre ich bis zur nächsten Fähre 42 Kilometern mit dem Fahrrad vorraus, Harry folgt mir zwei Stunden später mit dem Wohnmobil. Zum Glück geht es 10 Kilometer davon nur bergab, trotzdem ist die Länge der Strecke für mich eine Meisterleistung 🙂

Zwei Tage später machen Harry und ich eine gemeinsame Radtour. Der Weg verläuft entlang der Zugstrecke „Flamsbana“. Eigentlich wird die Tour als „20 Kilometer-Abfahrt für Radfahrer“ angeboten. Unserem Schwabeninstinkt folgend strampeln wir jedoch auch die 20 Kilometer, die eigentlich mit dem Zug zurückgelegt werden, auf 700 Höhenmetern den Berg hinauf. Durch die langsame Fahrt beim „Aufstieg“ war die Strecke nicht nur anstrengend, sondern auch sehr schön: Wir haben eine herrliche Aussicht auf das Tal neben uns und können die Schönheit der Natur in vollen Zügen genießen. Durch Nebelbänke hindurch reiht sich Wasserfall an Wasserfall, irgendwann bekommen wir das Rauschen gar nicht mehr aus den Ohren.

Tag 20 beginnt auch wieder sportlich. Wir machen eine Wanderung (ausgehend von dem kleinen Dorf Kisnarvik), die an 4 Wasserfällen vorbei führt. Und auch wenn man meinen könnte, dass wir langsam mal genug Wasserfälle gesehen hätten, lohnt sich die Aussicht unterwegs. Nach den ersten paar Kilometern verläuft neben dem Weg eine bemooste Felswand, die mit mäßiger Steigung nach oben führt. Ich traue meinen Augen kaum, als Harry mir weismachen will, dass das der Weg sein soll. „Eine glatte Felswand? Wohl kaum! Der Weg geht da drüben weiter!“ – „Joah, kann sein, aber hier geht’s auch!“ Und schon hängt mein Freund 10 Meter über mir an der Wand. Mit ungutem Gefühl im Magen folge ich ihm. Nach etwa 15 Metern beginne ich plötzlich – trotz ausreichendem Schuhprofil – abwärts zu rutschen. Panisch krallen ich meine Hände ins Moos, um irgendwie wieder Halt zu finden. Nach ein paar Metern komme ich glücklicherweise wieder zum Stehen und taste mich vorsichtig seitlich am Fels entlang, um wieder auf den normalen Weg zu kommen. Immer wieder komme ich ins rutschen, doch irgendwann ist es geschafft und ich stehe wieder auf dem Waldboden. Das war eindeutig genug Nervenkitzel für heute! 

1. Etappe: Norwegen – Going North Again (Tag 8 bis 11)

Atlantic Ocean Road und Ålesund

Im Angelfieber

Es geht wieder nördlich Richtung Atlantic Ocean Road, eine Straße entland Norwegens Küste, die mehrere Inseln über Brücken miteinander verbindet. An diesem Abend gehen wir das erste Mal angeln, zumindest was meine Wenigkeit angeht. Harry ist seit Juni in Norwegen und hat seit dem schon ein einige Male die Angel ausgeworfen, und für mich als Laie sieht das auch schon sehr fachmännisch aus! In Norwegen darf jeder an den Fjorden und an der Küste kostenlos und ohne Angelschein angeln. Ich werfe also das erste Mal die Angel aus…

Mein erster Angelversuch

… ein Seestern! Äh, damit hatte ich nicht gerechnet. Wir befreien den Kleinen vorsichtig vom Haken und werfen ihn zurück ins Meer. Harry erzählt mir, dass die Arme von Seesternen wieder nachwachsen, wenn sie mal einen verlieren. Gut so, dann kommt der Kleine auf jeden Fall mit einem Schrecken davon. Ich traue mich danach trotzdem erstmal nicht mehr, die Angel nochmal auszuwerfen. Wer weiß was da als nächstes dran hängt, wenn das schon so losgeht! Für die Nacht parken wir unser Wohnmobil auf einem kleiner Parkplatz neben der Vågøy-Kirche in einem winzgen Dörfchen. Nachts fegt ein Sturm ums Wohnmobil, so stark, dass ich Harry frage, ob so ein Wohnmobil eigentlich umfallen kann? Harry grinst im Schlaf und meint nein, ich solle weiterschlafen. Wer mal Sturm im Wohnmobil oder Zelt erlebt hat, weiß wie komisch sich das anfühlt… Am nächsten Morgen steht das Wohnmobil noch genau wie am Vorabend. Glück gehabt 😉

Der Tag darauf: Wir fahren auf der Atlantic Ocean Road, zwischendrin halten wir an um zu angeln. Leider läuft es auch dieses Mal nicht wirklich besser, wir ziehen zwar 3 Makrelen aus dem Fjord, werfen sie aber aufgrund ihrer Größe immer gleich wieder ins Wasser. Harry fragt sich, ob gerade der Makrelen-Kindergarten einen Ausflug macht, so klein sind die Fische noch. Später erfahren wir von anderen Anglern: Diese Größe der Fische ist hier der Standard. Die vierte Makrele behalten wir also und braten sie abends mit Butter in der Pfanne. Ich probiere auch, obwohl ich eigentlich vegetarisch esse. Aber für diesen frischen, selbstgeangelten Fisch mache ich eine Ausnahme. LECKER!

Für zwei Personen zu wenig zum satt werden, aber lecker!

Ah, und bevor ich die ganze Zeit nur vom Angeln erzähle – auf der Atlantic Ocean Road sind wir ja auch noch 😉 Eine Straße, die mehr aus Brücken als aus sonstwas besteht. Die Brückenabschnitte sind sehr kurz und gehen manchmal nur von einer Mini-Insel zur nächsten.

Atlantic Ocean Road

Am nächsten Tag fahren wir in das Jugendstil-Städtchen Ålesund. Normalerweise wandert man die vielen Stufen auf den Aussichtspunkt Aksla hinauf, aufgrund des permanenten Regens haben wir uns dann doch für die Wohnmobil-Variante entschieden. Die Ausicht ist allerdings auch bei Nebel schön.

Aussicht vom Berg Aksla in Alesund

Neuer Tag, neues Glück: Der Regen hat noch nicht aufgehört, also verschieben wir den Plan, durch Ålesunds Gassen zu laufen auf später und gehen erstmal ins Aquarium. Der Eintritt kostet knapp 20 Euro pro Person, lohnt sich aber. Ich kann hier Rochen streicheln (irgendwie wabbelig, und trotzdem fest) und bei der Fütterung von Seehunden (süß), Ottern (süßer) uuund Pinguinen (♥ ♥ ♥) zusehen.

Mein persönliches Highlight in Ålesund: Eine beheizte Parkbank! Es gibt keine angenehmere Form der Energieverschwendung. Naja, Norwegen erhält zu 98% seinen Strom durch Wasserkraft. Da kann man es sich dann wohl auch leisten, Parkbänke zu beheizen.

Harry ist im Angelfieber. Diesmal gibts Dorsch (der mir gar nicht so gut schmeckt wie er gelobt wird). Danach angelt er nur noch ein ausgefranstestes Stück Seil – und eine uralte Socke! Lustig, aber auch traurig wenn man sieht, wie vermüllt das Meer ist.

1. Etappe: Norwegen – Going West (Tag 6 und 7)

Harpefoss und Trollstigen

So much nature…!

Müde von den sportlichen letzten Tagen freuen wir uns richtig darauf, erstmal drei Stunden nur im Wohnmobil zu fahren. Denn das nächste Ziel heißt Trollstigen und ist 210 Kilometer von unserem jetzigen Standort, dem Peer-Gynt-Vegen, entfernt. Den ersten Teil der Strecke legen wir noch am Abend nach der Montainbike-Tour zurück. Erneut macht sich der aufmerksame Blick in den Reiseführer bezahlt, denn sonst hätten wir den Harpefoss, einen wunderschönen Canyon, vermutlich nicht gefunden.

Canyon Harpefoss

Zwar führt die Brücke für Fahrzeuge direkt darüber, allerdings ist diese so schmal und kurz, dass man schon anhalten muss, um die Naturschönheit wirklich wahrnehmen zu können.

Am späten Nachmittag kommen wir am Trollstigen an. Der Reiseführer beschreibt die Passstraße als „für Wohnmobile besonders abenteuerlich“. Zugegeben, die Straße ist relativ schmal, und an der Seite sollte man besser nicht nach unten sehen, da man sonst in den offenen Abgrund blickt… Aber mit der entsprechenden Ruhe des Fahrers und dem ersten Gang des Wohnmobils kein Ding der Unmöglichkeit!

Laut Wikipedia-Eintrag ist der Trollstigen eine der bekanntesten Touristen-Strecken, und der Eintrag sollte Recht behalten. Als wir auf dem Parkplatz Plattform ankommen sind wir bei weitem nicht allein: Reisebusse, Autos und Wohnmobile mit den unterschiedlichsten Länderkennzeichen sind auch jetzt am Ende der Hauptsaison noch zahlreich anwesend. Wir ergattern uns trotzdem einen Platz auf der Aussichtsplattform zum Fotos machen. Die ist zum Glück groß genug, dass alle Touristen Platz finden. Und es lohnt sich! Wirklich!

Links und rechts erheben sich mächtige Berge aus dem Boden, das Grün der Pflanzen krabbelt den Berg hinauf bis es irgendwann aufgibt und nur noch grauer Fels sich gen Himmel streckt. Mitten durch die Berge sprudeln fröhliche Wasserfälle hindurch während die Sonne langsam am Horizont verschwindet…

Ausblick Trollstigen

Auf der Aussichtsplattform kommen wir zufällig mit einer englisch-sprechenden Touristenführerin ins Gespräch. Weil ich vom Trollstigen so begeistert bin fragen wir sie, ob sie uns nicht eine Wanderung hier empfehlen könnte. Sie bejaht und fügt hinzu, dass sie diese Route zwar selbst noch nie gewandert sei, jedoch schon viel schönes darüber gehört habe. Der Weg entspräche allerdings nach deutschen Kriterien dem höchsten Schwierigkeitsgrad der Wanderwege, zudem sei der Weg sei teilweise etwas „scrambled“.

Scrambled? Ich kannte bis dato nur scrambled eggs. Was morgendlich serviertes Rührei mit einem Wanderweg zu tun haben sollte war mir schleierhaft.

Nichtsdestotrotz – wir entschließen uns dazu, die Wanderung am nächsten Tag zu machen. Schwierigster Grad der Wanderwege, pah! Sind doch nur läppische 5,4 Kilometer, so schwierig kann das doch nicht werden! Das kann man auch Nachmittags noch kurz laufen. Und so kommt es, dass wir unsere Wanderung erst um kurz vor 4 Uhr nachmittags beginnen.

Nach den ersten Metern über unwegsames Gelände stehen wir plötzlich – nahezu – vor dem Nichts. Steil nach unten abfallender Fels, aber immerhin eine Kette an der anderen Seite, damit man wieder ansatzweise ein Gefühl von Sicherheit bekommt.

Ohje, denke ich. Wenn das schon so losgeht, das kann ja was werden. Ich ahne schnell, wie sehr ich damit Recht behalten sollte.

Im nachfolgenden Bild seht ihr den Weg, den wir gewandert sind:

Wie, man sieht den Weg nicht? Ich steh doch mitten drauf! Zugegeben, der Weg ist als solcher nicht erkennbar. Anders gesagt: Gar nicht vorhanden. Der Weg – sagen wir lieber die Route, oder noch besser die Fährte – führt uns mitten übers Geröll. Markiert wird die Tour durch rot angemalte Steine. Wir bewegen uns über so wackeligen Fels und Gestein, dass man nicht mehr von wandern sprechen kann, sondern von klettern sprechen MUSS. Wie sagt man so schön – am Ende der Komfortzone beginnt das Abenteuer. Man klettert also die wellenförmigen Anhöhen Stück für Stück hinauf, jedes Mal mit dem Gedanken im Kopf „Das ist bestimmt der letzte Hügel, dann ist es geschafft“ – und dann kommt der nächste Hügel.

Höhenmeter für Höhenmeter verändert sich die Landschaft. Was für ein Anblick! Nicht nur für Geologen muss dieses Meer aus Steinen ein Paradies sein. Irgendwann, bei circa 600 Höhenmetern über unserem Wander-Startpunkt liegt dann plötzlich Schnee neben uns! Die roten Steine, die die Route markieren gehen auf der anderen Seite weiter. „Ich soll über den Schnee drüber? Im Ernst?! Was wenn ich ausrutsche oder einbreche und mir den Fuß inmitten der Felsen verrenke??“ Zum Glück erweisen sich alle meine Ängste als unbegründet. Spätestens jetzt habe ich das Gefühl, wie einst die Wikinger auf einem ihrer Feldzüge unterwegs zu sein. Gut, abgesehen vielleicht von der Funktionskeidung, die ich anhabe.

Auf etwa 1300 Höhenmetern zeigt sich uns eine Umgebung in arktischer Schönheit. Türkisblau schimmernde Seen inmitten von eisiger Landschaft, tief hängende Wolken, starker Wind und Nieselregen – und dazwischen wir, im Nirgendwo. All dies wirkt so surreal und ist gleichzeitig einfach unbeschreiblich schön.

Weiter, noch ein Kilometer bis zum Aussichtspunkt Trollveggen… Jetzt noch 500 Meter! Und trotzdem beschließen wir umzudrehen. So kurz vor dem Ziel? Ja, denn es ist bereits 19:30 Uhr, wir hatten also für den Aufstieg über dreieinhalb Stunden gebraucht. Der Abstieg würde kaum schneller gehen und die Vorstellung, im Stockdunkeln über wackelige und mittlerweile durch den Nieselregen auch rutschige Felsen hinab zu klettern… Lieber nicht daran denken.

Wichtel beschützt uns auf der Wanderung
Blumen! Aus dem nackten Fels heraus, mitten im Schnee.

Es wird zunehmend dunkler und wir haben immer noch ein ziemliches Stück Rückweg vor uns. Die letzten Bananen und Nüsse sind aufgefuttert und Harry beginnt, von herzhaften Essen zu schwärmen („Spätzle! Schnitzel! Mit so richtig viel Soße!“). Meine Kraft und Konzentration hatten schon vor einer ganzen Weile nachgelassen.

21:30 Uhr: Wir haben es geschafft. Gerade noch rechtzeitig vor der Dunkelheit!

1. Etappe: Norwegen – Going North (Tag 4 und 5)

Maihaugen und Peer-Gynt-Weg

Was haben ein Freilichtmuseum und eine Hochgebirgsstraße gemeinsam?

Bevor ihr lange überlegt gebe ich lieber gleich die Auflösung: Nichts. Abgesehen davon, dass beides in Norwegen liegt.

Nach dem Holmenkollen geht es Richtung Norden. Folgende Ausgangssituation: Zwei Personen im Wohnmobil unterwegs, einer Fahrer und der andere Beifahrer (soweit logisch). Der Job des Fahrers ist recht entspannt: Er muss lediglich die Straße etwas beobachten und ab und an das Gaspedal oder auch die Bremse betätigen. Der Job des Beifahrers hat es allerdings in sich, denn der professionelle Beifahrer ist ein Multi-Talent: Er versorgt den Fahrer mit kulinarisch vielfältiger Kost und diversen Getränken, er ist Navigator, DJ, zuständig für das Temperatur-Wohlbefinden der Insassen und nicht zuletzt: Routenplaner. Das Handling von drei verschiedenen Reiseführern stellt für ihn auch auf kurvigen und holprigen Straßen kein Problem dar.

So kommt es, dass wir aufgrund eines vielversprechenden Reiseführer-Eintrags spontan zum Freilandmuseum „Maihaugen“ in Lillehammer fahren. Wie der Vigeland-Park ist auch das Freilandmuseum sehr weitläufig angelegt – Weitläufigkeit ist definitiv ein Spezialgebiet der Norweger. Den größten Teil des Geländes stellen aus ganz Norwegen „eingesammelte“ alte Häuschen aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Häuschen in Maihaugen

Besonders schön in dieser Ecke des Freilichtmuseums ist die Stabskirche. Wer sich jetzt fragt „Was unterscheidet eine Stabskirche von einer ’normalen‘?“ – Bitte googeln, mein Wissen über Architektur geht leider gegen Null.

Wickies Heimat Flake? Fast – die Stabskirche in Maihaugen

Nachdem wir eine Weile durch die Grünanlagen geschlendert sind kommen wir im nächsten Bereich, der Stadt, an.

„Welcome to my house! Feel free to look around, and if you need a new suit or a jacket – my ‚Singer‘ is electric!“

In manchen der Häuser sind Schauspieler, die den Besuchern den geschichtlichen Hintergrund aus der Zeit „ihres“ Hauses näherbringen. So auch die „Zeitzeugin“ in diesem Haus, welches dem Zeitraum der 1940er Jahre entspingt.

Das besagte Haus steht in einem Gässchen, welches historisch komplett nachgebildet wurde. Das schönste: Die Apotheke ♥  Kann leider nicht von innen besichtigt werden, aber wenn man mit dem Gesicht ganz nah an der Fensterscheibe klebt hatte man trotzdem einen super Blick auf die antiken, hölzernen Apothekerschränkchen und die zahlreichen dunklen Flaschen mit undefinierbaren Inhalt.

Die Apotheke in „der Stadt“ Maihaugen

Nach dem Ausflug nach Maihaugen fahren wir nördlich, in Richtung der Hochgebirgsstraße Peer-Gynt-Vegen. Unterwegs müssen wir kurz mitten auf der Straße anhalten, weil ich die Mami und ihr Kleines nicht stören will 🙂

Freilaufende Kühe in Norwegen

Nach knapp 60 Kilometern sind wir auf dem Peer-Gynt-Vegen angekommen. Wo sich zuvor sanfte Hügel und sattes Grün um uns erstreckten, gleicht nun die Umgebung eher einer bunten Mondlandschaft. Unterschiedlichstes Moos und Gestrüpp, das wie Schaum den Boden überzieht, jedoch kein Baum mehr weit und breit umgeben uns auf unserer kleinen Wanderung im Sonnenuntergang.

Wir nehmen einem kleinen Weg einen Hügel hinauf – bis zu dieser Aussicht. Weil wir nicht den gleichen Weg zurück laufen wollen folgen wir einem schmalen Pfad, der jedoch nach einiger Zeit abrupt endet. Wir rechnen damit, dass der Weg weiter unten schon wieder anfangen wird, also laufen wir ein Stück querfeldein durchs Gestrüpp. Nun… der erhoffte Weg kommt nicht. Und so wird jeder Schritt zum Abenteuer. Das Moos und Gestrüpp unter unseren Füßen ist so weich und nachgiebig, dass ich bei jedem Schritt das ungute Gefühl habe, gleich mit dem Fuß durch die Zweige zu brechen und bis zur Hüfte in einem unterirdisch laufenden Bach zu stehen. Passiert zum Glück aber nicht und gerade noch so vor der Dunkelheit erreichen wir das rettende Wohnmobil 🙂

Die Mountainbike-Tour am nächsten Tag, ebenfalls auf dem Peer-Gynt-Vegen, ist nicht weniger spannend. Der Weg ist zwar für meine Verhältnisse eher ein Wander- als ein Fahrradweg, aber man wächst ja an den Herausforderungen!

1. Etappe: Norwegen – Oslo (Tag 1 bis 3)

Ankomst i Norge

Nein, das sind keine Tippfehler, sondern ist norwegisch

Mitags um 13 Uhr in Oslo landen klingt per se nicht schlecht. In der Theorie hat man dann ja noch was vom Tag. In der Praxis sieht das leider anders aus: Wenn man am Vortag nachts um 1 am Flughafen sitzt, weil man sowieso nicht schlafen hätte können, braucht man nicht zu glauben, am nächsten Tag nach etwa zwei Stunden Schlaf munter und ausgeruht in Norwegen zu landen… Irgendwie geht’s doch, das Adrenalin und die Neugier auf die fremde Stadt halten davon ab, im Stehen einzuschlafen. Die ersten beiden Tage zeigt sich Norwegens Hauptstadt von seiner besten Seite: Strahlender Sonnenschein und Temperaturen von über 25 Grad sind wohl leider selbst jetzt im August eher eine Seltenheit. Nachdem mich Harry, der schon seit Mitte Juni in Skandinavien unterwegs war, am Flughafen mit seinem mit Luftballons dekorierten Wohnmobil abgeholt hatte, gehts direkt in die Hauptstadt. Das Wohnmobil (kostenlos geparkt in der Rathkesgate) abgestellt, die Fahrräder abgeladen und los zur Stadterkundung! Ohne zuvor einen Blick in irgendeinem Reiseführer zu werfen, aber um erstmal ein Bild von der Stadt zu bekommen völlig ausreichend. Und – so entdeckt man auch schöne Flecken, die man sonst nie gefunden hätte! Das Fahrrad ist hier natürlich ein ungeheurer Luxus – so schafft man einfach viel mehr Strecke als zu Fuß, obwohl Oslo sehr „bergig“ ist und so die geplante 3 Kilometer Radtour richtig anstrengend werden. Die Stadt ist in jedem Fall einen Besuch wert. Architektur (wie zum Beispiel die neue Oper), Sehenswürdigkeiten, Kultur (Museen), vor allem aber das Flair, das die Stadt versprüht – es gibt eine Slackline mitten in der Stadt!

Mit dem Rad quer durch Oslo

Zudem sind die Menschen hier wirklich sehr nett und hilfsbereit. Besonders schön war der Vigeland-Park. Hier stehen 212 Figuren aus Naturstein und Bronze, erbaut von dem Bildhauer Gustav Vigeland. Zugegeben, eine klassische Touristen-Attraktion, aber eben auch absolut beeindruckend.

 

Figuren im Vigeland-Park

Mal nebenbei – ich bin der Meinung „Wo viele Touristen sind, ist es meistens auch schön“. Klar, überfüllte Strände will niemand. Aber gewisse Orte aus Trotz zu meiden, weil viele Touristen dort sind ist auch nicht immer eine Lösung. Denn es gibt schließlich einen Grund, warum sich Touristen an gewissen Orten sammeln – ist eben schön da.

Lange Rede kurzer Sinn – der Vigeland-Park ist sehr großflächig angelegt, und so ist es trotz des perfekten Wetters in der Hochsaison noch lange nicht von Menschen überfüllt. Gerade diese Weitläufigkeit des Parks und die Vielzahl der ineinander verschlungen Figuren finde ich besonders schön.

Tags drauf wollen wir ins Kinderkunst-Museum. Wie der Name schon sagt, ist dort Kunst von Kindern (Zeichnungen, Skulpturen, …) aus allen Herren Ländern ausgestellt. Leider hat dies, als wir um 14 Uhr dort ankommen, bereits geschlossen. Schade, denn allein von außen sieht das Gebäude bereits vielversprechend aus. Pippi Langstrumpf hätte sich dort sehr wohl gefühlt! Wir hätten besser mal zuvor nach den Öffnungszeiten gesehen, denn gegen Ende oder gar außerhalb der Saison sind die Öffnungszeiten von Kultureinchtungen ganz schön eingeschränkt.

Etwas enttäuscht über das geschlossene Museum fahren wir zum Holmenkollen, den wir eigentlich erst nach dem Kinderkunst-Museum besuchen wollten. Mit 15 Euro ist der Eintritt für DIE Skisprungschanze Norwegens zwar nicht ganz günstig, allerdings gibt’s das Skisprung-Museum noch mit dazu. Hm, ich bin bei weitem kein passionierter Skispringer… Ist aber trotzdem ganz interessant mal zu sehen, aus welcher Höhe sich freiwillig Menschen in die Tiefe stürzen.

Pinguin James auf dem Holmenhollen

An Klettergurt und Rolle, die von der Spitze aus in die Tiefe schießt, hätte man das sogar noch getreuer nacherleben können. Allerdings ist uns das für ca. 70 Euro pro Person doch etwas zu teuer…