1. Etappe: Norwegen – Going South (Tag 12 bis 20)

Geiranger-Fjord, Gletscher Briksdalsbreen und Wanderung bei Kisnarvik

Die Schönheit der Wasserfälle

— Bilder folgen! —

Unsere nächste Station: Der Geirangerfjord, anscheinend einer der beliebtesten Touristenspots Norwegens. Als wir ankommen ist die Aussichtsplattform voll mit Touristen und im engen Fjord gibt es fast schon einen Stau der riesigen Kreuzfahrtschiffe. Wir laufen neben dem eigentlichen Aussichtspunkt ein paar Meter auf eine Anhöhe durch ein Gatter hindurch und haben dann sogar eine noch bessere Aussicht als auf der eigentlichen Aussichtsplattform.

Der Tag danach: Ok, wir sind nicht wirklich weit gekommen. Genau genommen – wir haben es gerade so von der nördlichen Aussichtsplattform des Fjords runter ins Dorf geschafft. Auf Reisen geht eben alles etwas langsamer… Dafür finden wir an diesem sonnigen Spätsommertag einen Campingplatz am Ortsrand (Grande Hytterleige og Camping), bei dem man Motorboote mieten kann. Ist zwar mit 35 Euro die Stunde nicht ganz günstig, aber wann fährt man schon mal selbst mit einem Motorboot? Und die Aussicht auf die “Seven Sisters”, sieben Wasserfälle die direkt nebeneinander in den Fjord prasseln, ist es allemal wert. Harry angelt unterwegs mal wieder, zurück auf dem Campingplatz versuche ich, den gefangenen Fisch unseren Zeltnachbarn anzudrehen, weil ich langsam keinen Fisch mehr sehen kann…

Wir fahren zur Gletscherzunge “Briksdalsbreen”. Die Überlegung, ein “Troll-Auto” (ein kleines Gefährt, das Touristen dem Gletscher näher bringt) zu nehmen, lassen wir zum Glück wieder fallen, denn kurz darauf stellen wir fest, dass man den letzten Teil der Strecke zum Gletscher hin sowieso zu Fuß gehen muss. Wir machen also eine kleine Wanderung (naja, im Vergleich zur Wanderung am Trollstigen eher ein Spaziergang) vorbei an einem tosenden Wasserfall, bei dem in der Sekunde 10.000 (!!) Liter Wasser herunterprasseln. Nach etwa einer dreiviertel Stunde stehen wir am Fuß des Gletschers. Am obersten Punkt ist man zwar noch 50 Meter vom Eis entfernt, trotzdem wirkt alles sehr eindrucksvoll! Eisiges Blau schmiegt sich in den Fels, neben uns staut sich das Gletscherwasser in einem See um anschließend zum Wasserfall zu fließen. Neben dem Gletscher sind Schilder angebracht, die in bestimmten Abschnitten die Größe des Gletschers während des letzten Jahrhunderts markieren. Die Vorstellung, dass vor gar nicht allzu langer Zeit der Gletscher noch deutlich größer war ist erschreckend. Der Ausflug an den Gletscher war toll und hat mich trotzdem nachdenklich gemacht.

Auf unserer Fahrt in Richtung Naeroyfjord behindern ein paar weiße Wollknäuel unseren Weg 🙂 Schafe laufen hier in Norwegen frei herum – und unter Umständen auch mal eine Weile vor dem Wohnmobil her, wenn der Leithammel den Asphalt auch nicht verlassen will.

Notiz am Rande: Harry will noch sehr gerne Nordlichter sehen, ich Elche. Mal sehen, wer von uns zuerst Glück hat.

Ganz offensichtlich leide ich an Bewegungsmangel: Am nächsten Morgen fahre ich bis zur nächsten Fähre 42 Kilometern mit dem Fahrrad vorraus, Harry folgt mir zwei Stunden später mit dem Wohnmobil. Zum Glück geht es 10 Kilometer davon nur bergab, trotzdem ist die Länge der Strecke für mich eine Meisterleistung 🙂

Zwei Tage später machen Harry und ich eine gemeinsame Radtour. Der Weg verläuft entlang der Zugstrecke „Flamsbana“. Eigentlich wird die Tour als „20 Kilometer-Abfahrt für Radfahrer“ angeboten. Unserem Schwabeninstinkt folgend strampeln wir jedoch auch die 20 Kilometer, die eigentlich mit dem Zug zurückgelegt werden, auf 700 Höhenmetern den Berg hinauf. Durch die langsame Fahrt beim „Aufstieg“ war die Strecke nicht nur anstrengend, sondern auch sehr schön: Wir haben eine herrliche Aussicht auf das Tal neben uns und können die Schönheit der Natur in vollen Zügen genießen. Durch Nebelbänke hindurch reiht sich Wasserfall an Wasserfall, irgendwann bekommen wir das Rauschen gar nicht mehr aus den Ohren.

Tag 20 beginnt auch wieder sportlich. Wir machen eine Wanderung (ausgehend von dem kleinen Dorf Kisnarvik), die an 4 Wasserfällen vorbei führt. Und auch wenn man meinen könnte, dass wir langsam mal genug Wasserfälle gesehen hätten, lohnt sich die Aussicht unterwegs. Nach den ersten paar Kilometern verläuft neben dem Weg eine bemooste Felswand, die mit mäßiger Steigung nach oben führt. Ich traue meinen Augen kaum, als Harry mir weismachen will, dass das der Weg sein soll. „Eine glatte Felswand? Wohl kaum! Der Weg geht da drüben weiter!“ – „Joah, kann sein, aber hier geht’s auch!“ Und schon hängt mein Freund 10 Meter über mir an der Wand. Mit ungutem Gefühl im Magen folge ich ihm. Nach etwa 15 Metern beginne ich plötzlich – trotz ausreichendem Schuhprofil – abwärts zu rutschen. Panisch krallen ich meine Hände ins Moos, um irgendwie wieder Halt zu finden. Nach ein paar Metern komme ich glücklicherweise wieder zum Stehen und taste mich vorsichtig seitlich am Fels entlang, um wieder auf den normalen Weg zu kommen. Immer wieder komme ich ins rutschen, doch irgendwann ist es geschafft und ich stehe wieder auf dem Waldboden. Das war eindeutig genug Nervenkitzel für heute! 

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